Wien - Als frisch gebackener Führerscheinbesitzer hat man's hier zu Lande schwer - noch bevor man sich überhaupt in den Straßenverkehr wagen kann. Denn viele heimische Versicherungsunternehmen zeigen sich nicht gerade begeistert, wenn man mit dem Ansinnen zu ihnen kommt, Kfz-Versicherungs-Kunde zu werden.

Dies ergibt sich aus einer telefonischen Umfrage, die die SP-nahe Kraftfahrerorganisation ARBÖ unlängst durchführte.

  • Nur sieben Kfz-Haftpflicht­versicherungen akzeptierten 18-jährige Führerscheinneulinge uneingeschränkt - Wüstenrot, Oberösterreichische, Vorarlberger Landesversicherung, Raiffeisen, Zürich, Wiener Städtische und Uniqa.

  • Weitere sechs Versicherungen versicherten diese Gruppe nur gegen Auflagen (höhere Selbstbehalte, Risikoprüfungen oder Prämienzuschläge): Donau, Tiroler Landesversicherung, Generali, Allianz, Anker und SK.

  • Die restlichen Versicherungen - VAV, HDI Hannover Versicherung und Kärntner Landesversicherung - lehnten die Jungen als Kfz-Haftpflicht-Kunden rundweg ab. Das Überraschende dabei: Unter den Versicherungen, die Jugendliche erst ab 23 bzw. 24 Jahren als Kunden nehmen, befinden sich auch die Online-Anbieter Züritel und die Wiener Städtische.

    Der ARBÖ dazu: "Wenn man bedenkt, dass gerade die Jugendlichen das Internet als Informations-und Einkaufsmöglichkeit nutzen, ist das eine erstaunliche Kundenstrategie."

    "Da sich die Unfälle der 18-jährigen Lenker im Jahr 2004 erfreulicherweise um 7,8 Prozent verringert haben, wäre es an der Zeit, auch die Versicherungskonditionen für diese Gruppe zu verbessern und sie nicht weiter zu verschärfen", sagt ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar. Die Kraftfahrerorganisation rät nun den Führerscheinneulingen, etwa bei den gleichen Versicherern wie die Eltern nachzufragen (Familienbonus) oder sich eher an Autos mit weniger PS zu halten.

    Einen Bonus gebe es bei manchen Instituten bei Mehrphasen-Fahrausbildung sowie für Frauen. Donau, Uniqa, Generali, Raiffeisen SK und Wiener Städtische belohnten demnach unfallfrei fahrende Mehrphasen-Führerschein-Besitzer mit einer Bonuszahlung von 100 bis 110 Euro.

    Uniqa, Raiffeisen und Wiener Städtische verlangten keine Prämienzuschläge und gewähren auch den Mehrphasen-Bonus. Frauen bekämen bei Zürich, Allianz, Uniqa, Generali und Raiffeisen fünf bis zehn Prozent Nachlass. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.08.2005)