"Kennst du mich nicht mehr?" lautet eine der gängigen Fragen beim "Neffentrick", mit dem vornehmlich ältere Damen um ihr Geld gebracht werden. Die Wiener Polizei hat nun zwei Polen, 15 und 21 Jahre alt, festgenommen, die mindestens zwölf Opfer um fast 255.000 Euro betrogen haben sollen.

Der "Neffentrick" ist laut Ernst Geiger von der Kriminaldirektion 1 ein internationales Phänomen und läuft überall nach demselben Schema ab: Einer der Täter, der perfekt Deutsch spricht, ruft an, gibt sich als Verwandter des Opfers aus und erklärt, ganz dringend Geld zu brauchen, meist um ein Auto kaufen oder reparieren zu können.

Abholung durch "Freund" oder "Boten"

Das Geld selbst wird dann von einem "Freund" oder "Boten" abgeholt. Solche Boten sollen auch die beiden am 6. Juli und 5. August in Wien-Simmering festgenommenen Verdächtigen sein. In die Falle waren sie der Polizei gegangen, nachdem eine misstrauische Dame die Exekutive alarmiert hatte.

Seit 2002 sind "falsche Neffen" in Österreich tätig. Seither sind, so Major Gerhard Winkler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, acht Verhaftungen gelungen. Der bisherige Gesamtschaden liege bei rund einer Million Euro. Im Schnitt wechseln 20.000 Euro auf diesem Wege den Besitzer. "Für einen erfolgreichen Coup sind 300 bis 400 Telefonate am Tag nötig", erläutert Ermittler Ernst Brunner. Die Täter wählen meist Damen aus, die "antiquierte Vornamen" tragen wie Hedwig, Anastasia, Brunhilde oder Amalia und erweisen sich im Telefonat als "richtige kleine Psychologen". Das Opfer wird in ein Gespräch verwickelt und unter gewaltigen Zeitdruck gesetzt.

Die Polizei schließt nicht aus, dass es weitere Opfer gibt, und ersucht um Hinweise unter der Wiener Telefonnummer 313 10, DW 333 50 oder DW 338 00. (APA, moe/DERSTANDARD; Printausgae, 12.8.2005)