Paris/London/Oslo - Die französische Tageszeitung Le Monde schreibt am Donnerstag über die Wiederaufnahme des iranischen Atomprogramms:

"Die Islamische Republik Iran zeigt Entschlossenheit und ihre geschickten Diplomaten zeigen sich abwechselnd freundlich und kalt. Europa ist demgegenüber ins Stottern geraten und hat kurzsichtig nicht die populistische Verhärtung kommen sehen, die die letzte Präsidentenwahl mit sich gebracht hat. Europa muss sich mit dem Ultrakonservativen (Präsidenten Mahmud) Ahmadinejad abfinden. Blind und taub kann Europa die Nachrichten aus Teheran nicht deuten und auch nicht voraussagen. Die Troika (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) setzt mit Unterstützung Washingtons immer noch auf die Diplomatie. Es gibt auch keine andere Lösung, außer einer gefährlichen Eskalation und als letztes Mittel einen Militärschlag."

The Times

"Zwei Schlüsse können aus der Wiederaufnahme des iranischen Projekts zur Urananreicherung in Isfahan gezogen werden, ein düsterer und eine potenziell ermutigender. Der erste ist, dass das Regime keinerlei Absicht hat, das abzubauen, was es euphemistisch seine 'nationale Nuklearindustrie' nennt - eine Industrie, die heimlich errichtete Anlagen umfasst, versteckt vor der Internationalen Atomenergie-Organisation, und die keinen plausiblen nicht-militärischen Verwendungszweck hat.

Der zweite ist, dass der Iran, als es vor zwei Jahren Verhandlungen mit Großbritannien, Frankreich und Deutschland zustimmte, glaubte, das EU-Trio mit einem Abkommen hereinlegen und damit die USA isolieren zu können, ohne gleichzeitig den Iran zu zwingen, seine Möglichkeiten zur Produktion waffenfähigen Urans aufgeben zu müssen. (...) Die Mullahs haben sich verkalkuliert."

"Aftenposten" (Oslo):

"Der Ausgang des Tauziehens um das iranische Atomprogramm ist nur schwer vorherzusagen. Wichtigster Grund ist die ungeklärte Position Russlands. Moskau hat widersprüchliche Interessen. Als Lieferant von Ausrüstung für die Atomanlage Isfahan bringt Russland die Durchführung des iranischen Atomprogramms wirtschaftliche Vorteile. Aber als Atommacht und nicht zuletzt als Land, das möglichen Anschlägen von Terroristen mit spaltbarem Material ausgesetzt sein könnte, wünscht Russland keine Ausbreitung von Atomtechnologie in zu viele Hände. (...)

Die harte Linie des Iran schadet den eigenen Interessen und trägt zur Erhöhung von Spannungen in einer Region bei, in der es auch so genug Unruhe gibt. (...) Niemand weiß außerdem, ob nicht Israel möglicherweise wie schon 1981 (im Irak) einen iranischen Atomreaktor bombardiert. Allen wäre mit einer Verhandlungslösung gedient. Nicht zuletzt dem Iran." (APA/dpa)