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Foto: Reuters/Pfaffenbach
Frankfurt - Jüngste Konjunkturdaten deuten nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf eine anhaltende Wirtschaftserholung im Euro-Raum hin. Der Preisdruck in der Binnenwirtschaft bleibt der EZB zufolge aber begrenzt.

Die Wirtschaft des Währungsgebiets werde nachhaltig - wenn auch langsam - expandieren, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten EZB-Monatsbericht. "Binnenwirtschaftlich gesehen hat zwar der Anstieg der Ölpreise die Inlandsnachfrage belastet, doch die jüngsten verfügbaren Wirtschaftsdaten und Umfrageindikatoren deuten auf eine gewisse Verbesserung der Lage hin."

Leitzins angemessen

Der Leitzins von zwei Prozent sei angesichts der Aussichten für die mittelfristige Preisstabilität angemessen, begründete die EZB den Beschluss vom 4. August, das seit Juni 2003 geltende Zinsniveau erneut nicht zu ändern. Der EZB-Rat bleibe aber wachsam hinsichtlich der Risiken für die Preisstabilität, die vom hohen Ölpreis und dem starken Geldmengenwachstum ausgingen.

Die Zentralbank wird nach Einschätzung der meisten Volkswirte die Zinsen als nächstes erhöhen. Dies wird aber erst für 2006 erwartet, falls die Konjunktur nicht erneut einbricht.

Günstiger als bisher

Der EZB-Rat bewertet die Wachstumsaussichten etwas günstiger als bisher, bleibt aber vorsichtig. Die Wirtschaft soll nun "nachhaltig, wenn auch langsam expandieren" - vor einem Monat noch hatte es geheißen, es gebe noch keine Anzeichen für eine nachhaltige Erholung. Andererseits warnt die Zentralbank: "Die größten Abwärtsrisiken für ein stärkeres Wirtschaftswachstum gehen von den hohen Ölpreisen und dem geringen Verbrauchervertrauen im Eurogebiet aus." Aus diesen Gründen reduzierten bei der jüngsten Umfrage der EZB auch die Volkswirte aus Banken und Forschungsinstituten erneut ihre Wachstumsprognosen. Für dieses Jahr werden nun 1,4 Prozent nach 1,6 Prozent in der vorherigen Umfrage erwartet. Für 2006 gehen die Experten nur noch von 1,8 nach 2,0 Prozent aus.

Nordsee-Öl erneut auf Rekordhoch

Der Preis für die Barrel Nordsee-Öl hatte am Dienstag mit mehr als 63 Dollar einen neuen Höchststand erreicht. Öl hat sich damit seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent verteuert.

Der Ölpreis verhindert zwar den von der EZB früher erwarteten Rückgang der Teuerungsrate unter zwei Prozent in diesem Jahr. Doch bei schwachem Wachstum baut sich nach wie vor kein stärkerer Preisdruck auf. Davon gehen auch die Teilnehmer der EZB-Umfrage aus. Die Volkswirte erhöhten wegen des starken Ölpreisanstiegs und der Euro-Abwertung die Inflationsprognose für 2005 auf 2,1 Prozent von 1,9 Prozent. Für 2006 wird unverändert eine Abschwächung der Inflation auf 1,8 Prozent erwartet. "Zusammenfassend deutet die wirtschaftliche Analyse derzeit auf begrenzten binnenwirtschaftlichen Inflationsdruck im Euro-Währungsgebiet hin", stellt die EZB fest.

Risken für Preisstabilität

Auf längere Sicht gingen vom Ölpreisanstieg aber Risiken für die Preisstabilität aus, die "sorgfältig" beobachtet werden müssten. Es bestehe die Gefahr zu starker Lohn- und Preiserhöhungen in Reaktion auf die teuerere Energie. Die Löhne stiegen zwar noch immer nur moderat, doch habe es zuletzt einen etwas stärkeren Zuwachs gegeben. Ausführlicher als zuletzt weist die EZB auf die potenziellen Inflationsgefahren des starken Geldmengenwachstums hin. Die private Kreditnachfrage ziehe wegen der niedrigen Zinsen auf breiter Front an. Dies gelte vor allem für Hypothekarkredite. Die Preisentwicklung an den Wohnungsmärkten müsse deshalb genau beobachtet werden. Insgesamt spreche die Analyse der Geldmenge dafür, wachsam zu bleiben. (APA)