London/New York - Ein Wirkstoff, der zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird, kann offenbar eine latente HIV-Infektion weitgehend unterdrücken. Das haben US-Wissenschafter mit der Valproat-Säure in einer klinischen Studie herausgefunden, die in der neuesten Ausgabe der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" (12. August) veröffentlicht wird. Langfristig könnte die Erkenntnis zu einer wesentlichen Verbesserung der vorhandenen Aids-Therapien führen.

Die moderne Kombinationstherapie mit Polymerase- und Proteasehemmern hat in den westlichen Industriestaaten zu einer starken Verringerung der Aids-Todeszahlen geführt. Die Medikamente hemmen die Virus-Vermehrung. Aber die Aids-Erreger können im Körper der Infizierten auch im Ruhezustand überleben. Dazu benötigen sie ein Enzym, die Histon-Deacetylase (HDAC1). Alle bisherigen Versuche, die Aids-Viren aus dem Körper zu entfernen, sind fehl geschlagen.

Versuch

Jetzt aber könnte eine solche "Eradizierung" der Erreger möglich werden. David Margolis von der Universität von North Carolina (Chapel Hill) setzte bei HIV-Infizierten einen Wirkstoff ein, der HDAC1 hemmt: die Valproat-Säure. Das Medikament wurde bisher als Epilepsiemittel eingesetzt.

Die Probanden bekamen zunächst eine besonders intensive Aids-Therapie für vier bis sechs Wochen. Sie umfasste neben den älteren Aids-Medikamenten auch T-20 (Enfuvirtide), welches die Viren am Eindringen in Zellen hindert. Danach nahmen die Probanden drei Monate lang zwei Mal täglich das Epilepsiemittel ein. Das Ergebnis: Bei drei von vier Patienten kam es zu einer Reduktion der latent vorhandenen Aids-Viren um 75 Prozent. Allerdings sind das noch sehr frühe Resultate. Weitere Untersuchungen sind erforderlich. Deshalb dürfte bis zur Verwicklung der Strategie - so sie dauerhaft Erfolg zeigt - noch längere Zeit vergehen. (APA)