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Italien leidet unter Gästemangel. Vor allem die Italiener selbst sparen bei den Urlaubsausgaben.

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Beniamino Donnici fasst seine Analyse kurz: "Ein Desaster". Kalabriens Landesrat für den Fremdenverkehr versteht die Welt nicht mehr: "Die Region hat die besten Voraussetzungen: eine schöne Natur und wertvolle Kunstdenkmäler." Was Kalabrien fehlt, sind die Gäste. Deren Zahl hat in diesem Sommer gleich um ein Viertel abgenommen. "Diese Saison ist im Eimer", klagt Donnici, der den Rückgang auf die hohen Flugpreise und den schlechten Zustand der Autobahn Salerno–Reggio Calabria zurückführt. Obwohl keine andere der‑ 15 italienischen Regionen mit Zugang zum Meer die negativen Spitzenwerte Kalabriens erreicht, herrscht auch dort weitgehend Krisenstimmung. Der Rückgang bei den Gästezahlen liegt zwischen fünf und 25 Prozent.

Riccardo Borgo, Vorsitzender der rund 10.000 italienischen Badebetriebe, führt das vor allem auf die sinkende Kaufkraft der Italiener und auf die billigere Konkurrenz anderer Mittelmeerländer zurück. "Ferragosto ist unsere letzte Hoffnung", gesteht Borgo. Die Abnahme der Gästezahl im Vergleich zum vergangenen Sommer wird auf eine Million beziffert.

Römer bleiben daheim

Der Verkauf von Eis und Getränken ist um 15 Prozent zurückgegangen. "Die Gäste sparen in allen Bereichen", versichert Rossella Pizzuti, Besitzerin eines Strandbads bei Rom. "Sie verköstigen sich aus der Kühltasche." Der Preisanstieg hat den Römern die Lust auf den Strandurlaub verdorben. Den Rückgang beziffert Piz^zuti auf "30 bis 40 Prozent".

In traditionellen Strandbädern der Adria ist man von solchen Werten weit entfernt. "Wir haben 110 Kilometer Strand und 1420 Strandbäder. Die Strände sind nicht mehr so voll, doch bis Saisonende schaffen wir eine ausgeglichene Bilanz", sagt zuversichtlich Fabio Grassi, der Vorsitzende des Verkehrsamts.

Zu teure Unterkünfte

In der Toskana (Rückgang: weniger als zehn Prozent) macht der Chef des Verkehrsbüros von Viareggio vor allem die Preise der bei Italienern beliebten Ferienwohnungen für die Einbußen verantwortlich. "Wenn eine vom Meer entfernte Zweizimmerwohnung 3000 Euro monatlich kostet, ist das nicht verwunderlich", sagt Renato Baldi.

Die Wirtschaftszeitung Il'sole 24 ore sieht den Grund für den Gästeschwund in den hohen Preisen. Ein zweiwöchiger Urlaub mit Halbpension in einem Dreisternehotel koste in Sizilien 1300 Euro, in der Türkei nur 789 und in Spanien 884 Euro, rechnet die Zeitung vor und kommt zum nüchternen Schluss: "Mit seinen Ferienangeboten ist Italien schon längst nicht mehr konkurrenzfähig." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2005)