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SPD-Wahlplakat aus dem Jahr 1998

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Edmund Stoiber ändert seine Meinung. Nun lieber doch ein "Print-Duell".

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Berlin/München - Der CSU-Vorsitzende und bayerische Regierungschef Edmund Stoiber will das geplante Rededuell mit dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine, nicht im Fernsehen austragen. Das Streitgespräch solle als "Print-Duell" in gedruckter Form erscheinen, sagte ein Sprecher Stoibers der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstag-Ausgabe). "Stoiber sucht keine Show mit Lafontaine, sondern eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Aussagen dieser neulackierten PDS."

Mit dem "Print-Duell" solle eine Konkurrenz zu dem geplanten TV-Auftritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU) am 4. September vermieden werden, sagte der Stoiber-Sprecher. Nach seinen Angaben gibt es bereits mehrere Angebote von Printmedien.

Lafontaine hatte am Sonntag Stoibers Herausforderung zu einem öffentlichen "Schlagabtausch" angenommen. Der ehemalige SPD-Vorsitzende sprach dabei von einer Auseinandersetzung im Fernsehen. Die großen Fernsehsender prüften zunächst, ob sie ein solches Gespräch übertragen wollten. Im Bundestagswahlkampf 2002 hatten sich Schröder und sein damaliger Herausforderer Stoiber zwei "Print-Duelle" geliefert. Die beiden Kandidaten diskutierten zunächst in einem Gespräch für die Zeitungen "Bild" und "Bild am Sonntag" (BamS) und dann in einem gemeinsamen Interview der "Welt" und der Münchner "Süddeutschen Zeitung".

Keine Entschuldigung

Trotz Mahnungen aus der CDU, keinen Ost-West-Konflikt zu schüren, hat Stoiber seine umstrittenen Äußerungen über Ostdeutsche verteidigt und eine Entschuldigung abgelehnt. Ziel seiner Angriffe seien die Spitzenpolitiker der Linkspartei, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, sagte Stoiber am Sonntag. Er habe auf die für ihn unverständliche Tatsache eingehen wollen, "dass Gysi und Lafontaine - diese Altfrustrierten in Deutschland" vor allem im Osten großen Zulauf hätten. Dies sei eindeutig gewesen. Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilte die Äußerungen Stoibers scharf und warf Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel Führungsschwäche vor. Diese distanzierte sich erneut von den Äußerungen, ohne den Stoiber direkt zu nennen. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff forderte die Unionsparteien auf, "die Nebenkriegsschauplätze im Wahlkampf" zu verlassen.

Am Wochenende wurden weitere Zitate Stoibers bekannt, in denen er Wähler der Linkspartei als "dümmste Kälber" bezeichnete. Zuvor hatte er bereits gesagt, der Osten dürfe nicht erneut bestimmen, wer Kanzler werde. Die Frustrierten dürften nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen. Ähnlich hatte sich auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) geäußert.

Härte

Auf die Frage, ob es nicht einfach wäre zu sagen, er entschuldige sich, "wenn ihr das missverstanden habt im Osten", sagte Stoiber im ZDF: "Das kann nicht missverstanden werden." Es sei klar, dass er Gysi und Lafontaine gemeint habe: "Da habe ich darauf hingewiesen, und ich werde natürlich diese Auseinandersetzung weiter führen und werde alle auffordern, gegen diese härter vorzugehen." Die Union und die FDP bräuchten eine deutliche Mehrheit bei den Wahlen im September. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) nannte eine Entschuldigung unnötig. Stoiber habe mit seinen Äußerungen lediglich wachrütteln wollen, sagte er Reuters-TV.

Das Interview wurde nach ZDF-Angaben geführt, bevor weitere Äußerungen Stoibers über ostdeutsche Wähler bekannt wurden. Stoiber hatte auf einer Wahlkampfkundgebung in Bayern berichtet, er habe in Thüringen mit Blick auf Lafontaine davor gewarnt: "Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber." Er sei sich nicht ganz sicher, ob alle das bei der Kundgebung in Thüringen richtig verstanden hätten. "In Bayern mit Sicherheit."

Merkel geht auf Distanz

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel distanzierte sich erneut von Stoiber, erwähnte ihn allerdings namentlich nicht. "Alles, was falsche Gegensätze zulässt, ob gewollt oder ungewollt, ist kontraproduktiv", sagte sie der "Welt am Sonntag". "Wir müssen 15 Jahre nach der Wiedervereinigung noch bestehende Gegensätze hinter uns lassen." Wahlen gewinne man nur in ganz Deutschland. "Ich bin sehr stolz darauf, dass ich als gesamtdeutsche Kandidatin wahrgenommen werde." Fast wortgleich hatte sie sich am Donnerstagabend in einer Fernsehsendung von Stoiber distanziert.

Mehreren Zeitungsberichten zufolge hatte Merkel unmittelbar zuvor mit Stoiber telefoniert und ihm gesagt, er sei zu weit gegangen. Seine Äußerungen über die Wähler im Osten seien nicht hilfreich gewesen. Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff (CDU) forderte in der "Bild am Sonntag" die Unionsparteien auf, alles zu unterlassen, was einen Wahlsieg gefährden könnte. "Die abenteuerlichen Debatten um Pannen, Pöstchen und Koalitionen müssen aufhören". (APA/dpa)