Washington - Der Iran unterstützt scheinbar Aufständische im Irak und will so seinen Einfluss in dem Nachbarland stärken. Unter Berufung auf US-Geheimdienstberichte und geheime iranische Dokumente berichtete das Wochenmagazin "Time" am Sonntag, der Iran habe Rebellengruppen finanziert und stelle ihnen neuartige Bombentechnik zur Verfügung.

"Man hat den Verdacht, dass dies auf höherer Ebene in Teheran gebilligt worden sein muss", zitierte das Blatt einen ranghohen US-Geheimdienstvertreter in Bagdad. Der Bericht dürfte weiteren Zündstoff für den Iran-Konflikt bedeuten. Im Streit um das Atomprogramm der Islamischen Republik hatte US-Präsident George W. Bush am Wochenende ein militärisches Eingreifen nicht ausgeschlossen.

"Time" zufolge reichen die Ursprünge der iranischen Pläne zur Unterstützung von islamistischen Extremisten im Irak bereits vor die Zeit des US-Einmarsches im März 2003 zurück. Damals habe die Regierung in Teheran damit begonnen, ihren Einfluss im Nachbarland massiv auszubauen.

Das Magazin berichtet, in einen US-Geheimdienstbericht sei von neuen, gefährlicheren Bomben im Irak die Rede, die auch Panzer zerstören könnten. Diese beruhten auf der Technik der vom Iran unterstützten libanesischen Hisbollah-Miliz und seien in den vergangenen acht Monaten vor allem von einer rund 280 Mann starken Rebellen-Gruppe um den Extremisten Abu Mustafa al-Sheibani eingesetzt worden. Die USA gingen davon aus, dass der Iran eine Allianz zwischen schiitischen Aufständischen im Irak und Hisbollah-Kämpfern schmiede, zitierte das Blatt einen US-Geheimdienstvertreter.

Unter Berufung auf geheime Dokumente der iranischen Elitetruppe Revolutionäre Garden berichtet "Time" zudem von Zahlungen des Religionsstaates an irakische Rebellen. Demnach sollen im August 2004 mindestens 11.740 Mitglieder der Badr-Miliz um den Extremisten Hadi al-Amri auf der iranischen Gehaltsliste gestanden haben. Al-Amri bestreite aber, dass dies noch immer der Fall sei.

"Time" zitiert darüber hinaus einen früheren irakischen Regierungsvertreter, der 2004 vom Iran gebeten worden sei, herauszufinden, wie man ohne Durchsuchungen in das Büro des damaligen Ministerpräsidenten Iyad Allawi gelangen könne. Allawi selbst habe gegenüber dem Magazin die Vermutung geäußert, iranische Agenten hätten einen Anschlag auf ihn geplant, hieß es weiter. Die USA haben dem Iran wiederholt vorgeworfen, irakische Rebellen zu unterstützen. Der US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, bekräftigte am Sonntag in einem ABC-Interview: "Ich bin besorgt. Es gibt iranische Aktivitäten, die das gegenwärtige System untergraben." Dazu gehörten Waffen und bestimmte Leute, die die Grenze zum Irak passierten. (APA/Reuters)