Natürlich ist es viel zu früh für Schuldzuweisungen im Fall des Flugzeugunglücks bei Athen. Ferndiagnosen über etwaige Fehler der Piloten sind genauso unseriös wie Vorwürfe gegenüber der betroffenen Airline. Für die Klärung der Unfallursache existieren Unfallkommissionen, dazu gibt es Experten, dazu braucht es Zeit.

Was aber bleibt, ist eine wachsende Verunsicherung bei Fluggästen. Kann ich einer Fluglinie, die mich für zehn oder neunzig Euro in den Urlaub befördert, überhaupt noch trauen? Gehen die Billigstangebote nicht auf Kosten der Sicherheit? Beim Treibstoff kann ja wohl nicht gespart werden, die Spritpreise sind seit Jahren alles andere als sinkend. Auf den Punkt gebracht: Muss ich tatsächlich überlegen, ob ich mit bestimmten Airlines noch fliegen kann, ohne dabei russisches Roulette zu spielen? Dazu kommt, dass Reiseveranstalter gerade bei Pauschalangeboten häufig die Fluggesellschaften gar nicht mehr extra ausweisen.

Dabei geistern schwarze Listen über angeblich unzuverlässige Airlines seit Jahren durch die internationale Luftfahrt. Auch die Europäische Union stellt regelmäßig Fluglinien die Rute ins Fenster, einzelne Staaten sprechen "schwarzen Schafen" immer wieder vorübergehende Landeverbote aus.

Was - jedenfalls den Kunden - fehlt, ist eine transparente und allgemein verständliche Offenlegung. Keine Fluglinie ist von diesem Misstrauen ausgenommen, denn jede hat Flüge zum Spottpreis im Angebot. Auch wenn es sich in vielen Fällen lediglich um Teaser handelt, die pro Maschine vielleicht fünf oder zehn Passagieren zugute kommen. Die geiz-ist-geilen Werbetricks im Konkurrenzkampf könnten sich nur allzuleicht als Schuss nach hinten herausstellen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 16.08.2005)