Nikosia/Athen - Einen Tag nach dem Absturz einer Passagiermaschine bei Athen mit 121 Todesopfern hat die zypriotische Polizei die Büros der Eigentümerin der Unglücksmaschine durchsucht. In den Büros der Helios Airways in Nikosia seien Dokumente und andere Beweise gesammelt worden, die für eine strafrechtliche Untersuchung relevant sein könnten, sagte ein zypriotier Regierungssprecher am Montag.

Die zypriotische Nachrichtenagentur CNA berichtete, dass Journalisten und Reisende angegeben hätten, die Fluggesellschaft habe wiederholt Probleme mit ihren Maschinen gehabt, diese aber trotzdem starten lassen. Nach ersten Hinweisen könnte ein plötzlicher Rückgang des Kabinen-Drucks die Katastrophe ausgelöst haben.

"Standardprozedur"

Die Fluggesellschaft bestätigte die Anwesenheit von Polizisten in ihren Büros in Nikosia. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte in London, die Polizei habe Kopien von Dokumenten zur Unglücksmaschine gesammelt. Sie widersprach aber, es habe sich um eine Durchsuchung der Büros gehandelt. "Die Polizisten haben einzig deshalb unsere Büros aufgesucht, um Kopien von Dokumenten entgegenzunehmen, die wir in Bezug auf das Flugzeug haben." Dies sei unter den gegebenen Umständen eine Standardprozedur. Kopien dieser Dokumente seien auch der zypriotischen Zivilluftfahrtbehörde zur Verfügung gestellt worden, die sie bereits am Vortag nach Griechenland weitergeleitet habe. "Wir haben vollständig mit den Behörden zusammengearbeitet", sagte die Sprecherin.

"Tragischer Tag für uns"

Der Präsident von Helios Airways, Antonis Drakos, sagte am Montag: "Der gestrige Tag war ein tragischer Tag für uns." Über den Zustand der Unglücksmaschine und zu Vorwürfen von zypriotischen Medien, sie sei nicht gut gewartet worden, wollte er sich nicht direkt äußern: "Alles ist eingetragen im Wartungsheft", sagte er. Die abgestürzte Maschine sei 1998 gebaut und im April 2004 gekauft worden. Er selbst sei mehrmals mit seinen Kindern an Bord der Maschine gereist. Den Angehörigen der Opfer werde seine Gesellschaft jeweils 20.000 Euro Soforthilfe zahlen, versprach Drakos. Er bestätigte, dass die Maschinen seiner Gesellschaft am Montag nicht geflogen sind. "Die Crews wollten aus psychologischen Gründen nicht fliegen. Wir wollten sie nicht unter Druck setzen."

Spekulationen über Sicherheitsmängel

Medien hatten über mögliche Sicherheitsmängel bei Helios spekuliert. Bei der Unglücksmaschine habe es bereits früher Probleme mit der Klimaanlage gegeben. Die Mutter des Co-Piloten sagte dem Sender MEGA-Channel, ihr Sohn habe sie darüber informiert, dass es gefährlich sei, das Flugzeug zu fliegen. zypriotische Medien hatten zudem berichtet, dass Techniker kündigen mussten, nachdem sie sich geweigert hatten, ihre Unterschriften unter die Tauglichkeits-Bescheinigungen für die Maschine zu setzen. Die Airline wies die Vorwürfe zurück.

Falsche SMS

Informationen, wonach Passagiere aus dem Unglücksflieger von Athen noch kurz vor dem Absturz per Handy Kontakt mit Verwandten aufgenommen hätten, erwiesen sich unterdessen als falsch. Wie die griechische Polizei am Montagabend mitteilte, nahmen Beamte in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki einen 32-jährigen Mann fest. Dieser hatte nach dem Unglück am Sonntagabend griechische Radiosender angerufen und behauptet, sein Vetter hätte ihm mit einer SMS mitgeteilt, er erfriere. Dabei handelte es sich laut Polizei um eine Falschaussage. Der Festgenommene sagte den Beamten, er "wollte einmal ins Fernsehen kommen". (APA/Reuters/dpa)