Neve Dekalim - Israelische Polizisten haben am Dienstagmorgen an den Eingängen der Siedlung Neve Dekalim im Gaza-Streifen Stellung bezogen. Sie zerschnitten das Haupttor mit einer Metallsäge. Die Aktion solle es allen ermöglichen, die größte der zu räumenden Siedlungen zu verlassen, erklärte die Polizei.

Festnahmen

Sicherheitskräfte haben in der Nacht auf Dienstag rund 500 radikale Gegner des Gaza-Abzugs festgenommen. Die Militanten hätten versucht, in die Siedlungen im Gaza-Streifen einzusickern, berichtete der israelische Militärrundfunk unter Berufung auf die Polizei. Bei den Festnahmen sei es zu Auseinandersetzungen gekommen. Dabei wurde laut Militärradio mindestens ein Soldat verletzt.

Der israelische Online-Dienst "ynet" meldete, Dutzende von Einwohnern der Siedlung Neve Dekalim hätten sich den Sicherheitskräften entgegengestellt. Sie versuchten, die Einfahrt von Lastwagen zu verhindern. Die Frist zur freiwilligen Räumung läuft in der kommenden Nacht aus. Am Mittwochmorgen wollen die Sicherheitskräfte mit der Zwangsevakuierung beginnen.

Im Schlaf überrascht

Unter den Festgenommenen seien mehrere Anführer der radikalen Siedlerbewegung, meldete das Armeeradio. Junge Abzugsgegner, die Neve Dekalim gegen die Räumung "verteidigen" wollten, seien im Schlaf überrascht worden, berichtete der Militärrundfunk. Am Montag hatten Abzugsgegner die Zufahrten nach Neve Dekalim versperrt und Reifen in Brand gesetzt.

Die israelische Armee hat am Dienstag die Verteilung von Räumungsbefehlen an jüdische Siedler fortgesetzt. Der israelische Rundfunk meldete, etwa fünf der 21 Siedlungen im Gaza-Streifen seien bereits weitgehend geräumt. Auch die Siedlungen Kadim und Ganim im nördlichen Westjordanland seien schon leer.

Die Siedler haben bis Mitternacht Zeit, freiwillig abzuziehen. Dann droht ihnen die Zwangsräumung. Hunderte Demonstranten hatten am Montag mit Blockaden versucht zu verhindern, dass die Sicherheitskräfte in Neve Dekalim die Ausweisungsbescheide verteilen konnten. Am Dienstag zeigten sich zunächst nur wenige Demonstranten. (APA/AP)