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Susanne Knoll und Angela Merkel
Foto: Reuters/ARND WIEGMANN
Lübeck/Berlin - "Ist sie das? Aber die geht da ganz alleine, ohne Bodyguards! Du, das ist sie wirklich!" Wenn Susanne Knoll in Lübeck unterwegs ist, dann tuscheln die Leute oft hinter ihrem Rücken. Doch daran hat sich die 46-jährige Hausfrau schon gewöhnt. Sie ist Deutschlands erste Doppelgängerin von CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel. Und mittlerweile schlägt sie aus deren und ihrem ähnlichen Aussehen auch Kapital.

Begonnen hat alles vor zwei Jahren. Im Sommer 2003 ließ sich Knoll ihre langen Haare auf Kinnlänge schneiden. Kurz darauf war sie in Lübeck auf einer Party und dort sprach sie der Inhaber einer Eventagentur auf ihre frappierende Ähnlichkeit mit der CDU-Chefin an. Knoll war zunächst geschockt: "Auszusehen wie Angela Merkel empfand ich nicht unbedingt als Kompliment", sagt sie zum STANDARD. Schließlich dominierten bei Merkel damals noch düstere Farben. Doch der Herr ließ nicht locker und nach einiger Bedenkzeit nahm die dreifache Mutter sein Jobangebot, als Merkel-Double aufzutreten, an.

Seither liest sie alles, was sie über Merkel bekommt, studiert Fotos und analysiert ihre TV-Auftritte, um Merkel möglichst gut zu kopieren. Seit Merkel zur Kanzlerkandidatin gekürt worden ist, steht im Lübecker Reihenhaus das Telefon nicht mehr still. Das größte Problem beim Doubeln: Knoll ist eine fröhliche Frau und lacht gerne. Merkel jedoch liegen öffentlich zur Schau gestellte Ausbrüche von Heiterkeit so fern wie eine Koalition mit der Linkspartei. "Sie ist wahnsinnig beherrscht und zurückhaltend", sagt Knoll.

Geballte Faust

An Gestik und Mimik hat sich die Lübeckerin vieles angeeignet. "Merkel ballt oft die Faust. Ihr typischer Blick kommt zustande, wenn sie die Augen leicht nach oben verdreht. Und wenn die Mundwinkel nach unten sinken, ist sie gelangweilt", beschreibt die Kopie das Original. Manchmal ertappt sie sich selber dabei, dass sie Merkel imitiert, obwohl gar keine Zuseher da sind. Etwa wenn sie mit den für die Kanzlerkandidatin typischen kleinen, schnellen Schritten umhereilt.

Nur die Stimme passt noch nicht, da muss Knoll noch üben. Aber neulich, bei einem Empfang eines Energiekonzerns in Berlin, gab sie einfach vor, einen Schnupfen zu haben. Dann hielt sie eine Rede zur Energiepolitik - und viele der anwesenden Herren glaubten bis zum Schluss, vor ihnen stehe leibhaftig die Nummer eins der CDU.

Gut findet Knoll Merkels neues Styling. Angela in apricot liegt ihr näher als Merkel in mausgrau. Gerade bekam sie von SPD-Generalsekretär Klaus-Uwe Benneter einen Brief. Er bot ihr ein Engagement in der SPD an. Wahrscheinlich nimmt Knoll an. Zwar hat sie hohen Respekt vor Merkels Karriere. Aber sie wählt die SPD. (bau/DER STANDARD, Printausgabe 17.08.2005)