Salzburg - Probleme mit den Behörden hat derzeit der Österreichische Nationalcircus (ÖNC) wegen des Haltens dreier Zebras und eines Yaks. Denn seit Jahresbeginn 2005 ist die Verwendung von Wildtieren laut Tierschutzgesetz "in Zirkussen, Varietes und ähnlichen Einrichtungen" verboten. Beim Gastspiel in Salzburg schritt deswegen der Magistrat ein, berichten die "Salzburger Nachrichten" (SN) in der Mittwoch-Ausgabe.

Der Nationalcircus beruft sich auf eine "Sondergenehmigung" des für den Tierschutz zuständigen Gesundheitsministeriums: "Diese Genehmigung haben wir seit sieben Monaten schriftlich vorliegen und weisen sie jeweils an den Auftrittsorten dem Amtstierarzt vor", sagte Rene Sinnen vom Nationalcircus, der inzwischen nach Vorarlberg weitergereist ist.

"Wohl des Tieres

Das Bundestierschutzgesetz sieht vor, dass für bereits im Zirkus lebende Tiere eine Ausnahmebewilligung erteilt werden kann, "wenn dies dem Wohl des Tieres besser entspricht". Bei dem Papier, das Louis Knie vorweise, handle es sich jedoch nicht um eine solche Bewilligung, erklärte Maximilian Tischler vom Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Salzburg: "Das Ministerium hat dem Zirkus in dem Schreiben lediglich mitgeteilt, dass er die Voraussetzungen für eine Genehmigung erfüllt. Diese müsste aber erst von einer Bezirksverwaltungsbehörde erteilt werden." Auch im Gesundheitsministerium sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass keinesfalls eine Genehmigung erteilt wurde, so die SN.

Als Konsequenz hat das Salzburger Ordnungsamt dem Zirkus die Haltung der Zebras sowie eines Yaks untersagt. Bevor der Ende Juli ausgestellte Bescheid Rechtskraft erlangen konnte, war die Truppe aber bereits wieder abgereist. Ein sofortiges Einschreiten wäre nur bei unmittelbarer Gefahr für die Tiere möglich gewesen. Dennoch bewahrt die Weiterreise den Zirkusbetreiber nicht vor einer Abnahme der Tiere: "Der Bescheid wurde weitergeleitet und kann von jeder anderen Bezirksverwaltungsbehörde vollstreckt werden", sagte Maximilian Tischler.

Das wird beim ÖNC anders gesehen: Alles sei rechtlich abgesichert, zudem sei es nicht sinnvoll, die Tiere aus der Gruppe zu nehmen, so Rene Sinnen: "Die drei Zebras sind schließlich schon seit 14 Jahren im Zirkus." Beim Auftritt wird das Publikum darüber informiert, dass die Betreiber "kein Verständnis" für die Rechtslage hätten, die nur in Österreich derart restriktiv sei. Tatsächlich herrschen Wildtier-Verbote im Zirkus auch in Dänemark, Schweden und Finnland. In Deutschland hat der Bundesrat bereits 2003 eine Gesetzesinitiative gestartet, die ebenfalls ein Verbot von Wildtieren im Zirkus vorsieht. (APA)