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Cecilia Bartoli

Foto: AP /Chad Rachman
Salzburg – Sie ist ein Phänomen – und sie lässt den Musik freund nicht ruhen (im Sorgenlosen und im Bedenklichen!). Cecilia Bartoli hat ihr Publikum, ja mehr noch: sie gebietet über eine Anhängerschaft, die auch im Großen Festspielhaus von Beginn an mit Jubel die mitgebrachte Begeisterung demonstrierte.

Es ist, als ob man mit dieser brillanten, gurgelwendigen, bald gurrenden, bald quirlenden Stimmakrobatin zu einem Familienfest zusammen kommt, ganz gleich, welchen Literaturabteilungen diese stets freundliche, gewinnende Mediatorin des Geläufigen (und zum Glück auch des un bekannt Geläufigen) sich im Einzelnen zuwendet.

Jetzt in ihrem Solistenkonzert waren es italienische Muster verschiedenster Provenienz: von Mozart (KV 152 und 579), von Beethoven (u. a. das Ah! perfido-Szenarium op. 65), von Schubert, Meyerbeer, Weber, Bellini und Rossini, dessen La Danza aus den in Wahrheit doch tageshellen Soirées musicales das Offiziöse des langen, unterhaltsamen, aber auch anstrengen den Abend beendete.

Fülle des Hübschen

Wahrlich bunte Programme des italienischen Haus- und Konzertgebrauchs markieren eine Fülle des Hübschen, gelegentlich auch des Verdüsterten, aber sie entpuppen sich denn doch als mustergültig servierte Eintönigkeit, als Live-Erleben des Voraushörbaren, wobei ein nicht geringer Teil des Publikums der Gestalterin als bewundernswer ter Artistin seine lärmende Ehrerbietung zollt, weniger dem Vernommenen im Detail.

Und der ungarische Pianist András Schiff erweist sich als Begleiter, als Stimulator des Einfachen, des Punktuellen, des Dramatisierenden und des Fröhlichen als ein Mann der hingebungsvollen Bei- und Unterordnung, als ein Verehrer selbst des musikalisch Mittelprächtigen – und dies durchaus unter Vernachlässigung seiner oft und pointiert deklarierten Qualitätskriterien, sofern er als Solist in Erscheinung tritt.

Hinüber nun in die vertraute Intimität des Mozarteums – eine Stätte erprobter Lied übermittlung, genauer noch: der Liedentzündung, denn keine Sparte kunstvoller Musikdarbietung erheischt so unabdinglich ein akustisch wie architektonisch eingegrenztes, überschau- und überhörbares Ambiente.

Zumal der deutsche Bariton Matthias Goerne mit Werken von Mahler (aus Des Knaben Wunderhorn), von Alban Berg (dessen vier schmerzliche, schläfrige und erwärmende Lieder op. 2) und mit Richard Wagners Wesendonck-Liedern das Innensichtige, das Seelengebundene zu favorisieren schien, selbst wenn er zuweilen die Stimme anschwellen ließ.

Goerne weiß mit den Wörtern und im größeren Zusammenhang auch mit den Worten umzugehen. Und zum Glück erkaltet er dabei nicht in Musiklektionen, wie sie gelegentlich gebildete Sänger im problematischen Sinne lieder abendlicher Volkshochschule verfügt haben.

Am besten, man schließt bei Goerne die Augen und gibt sich einer kundigen Stimme hin, ihren logischen, Poesie-verlässlichen Ausarbeitungen – und nicht nur nebenbei bemerkt, auch den aufmerksamen, im rechten Moment auch selbstbewussten Klavierbetonungen von Alexander Schmalcz, der sich sagen durfte, ein gelungenes Salzburg-Debüt gefeiert zu haben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2005)