Laut Maya Picasso stamme die Zeichnung nicht von ihrem Vater Pablo, es handle sich um eine Kopie eines Unbekannten: "Taureau attaquant un cheval".

Foto: Koller
Eine böse Überraschung erlebte ein Wiener Finanzberater: Eine ersteigerte Zeichnung von Picasso lässt sich nicht wieder verkaufen, weil sie plötzlich als Fälschung gilt. Das Schweizer Auktionshaus nimmt sie aber nicht zurück.


Wien/Zürich - Im Rahmen einer internationalen Auktion, an der sich auch das Doro- theum beteiligte, bot die Galerie Koller aus Zürich im Mai 2001 eine Zeichnung von Pablo Picasso aus 1921 an, die dem Wiener Finanzberater Gottfried Springer sogleich faszinierte. Denn als Ergänzung "dazu" gab es einen "Abzug der Radierung (auf Zinkplatte)". Springer erwarb die beiden Blätter inklusive Steuern um rund 50.000 Euro.

Im vergangenen Winter wollte er sie wieder verkaufen. Doch Christie's weigerte sich, die Zeichnung zu versteigern: Die Experten in London bezweifelten die Echtheit. Man riet Springer, das Blatt Maya Picasso, der Tochter des Künstlers, vorzulegen. Und die anerkannte Picasso-Expertin hatte ihre "Probleme" mit der Zeichnung. Sie schreibt: "Ich glaube, es handelt sich um eine Kopie von einem Unbekannten - um eine Kopie der Radierung wohlgemerkt."

Um wirklich sicher zu gehen, legte Springer die Zeichnung auch Sotheby's vor. Das ernüchternde Ergebnis: Man schloss sich der Meinung von Maya Picasso an. "Es dürfte sich hier wirklich um eine Kopie" handeln, die "nicht von Picasso selbst" stamme.

Daraufhin kontaktierte Springer schriftlich samt Zahlungsbeleg die Galerie Koller. Eine Antwort erhielt er nicht. Cyril Koller war erst zu einer Stellungnahme zu bewegen, als er vom Wiener Anwalt Alfred Noll im Auftrag Springers "ersucht" wurde, "einen Vorschlag zu unterbreiten, wie Ihr Haus diese missliche Situation bereinigen will". Doch der Brief vom 31. Mai enthielt keinen solchen: Koller berief sich lediglich auf Christoph von Albertini, der die Echtheit bestätigen würde.

Die Zeichnung sei Teil der Sammlung von Georges Bloch gewesen, als dessen Assistent Albertini bei der der Erstellung des Picasso-Werkkataloges fungiert hatte. Albertini ist hier zu Lande kein Unbekannter: Der Restaurator bleichte, wie berichtet, Schiele-Blätter der Albertina partiell mit Chloramin T, was in der Fachwelt als höchst bedenklich angesehen wird. Zudem trennte er eine Zeichnung in zwei Hälften, um eine Doppelknickfalte zu eliminieren.

Gegenüber dem STANDARD räumt Koller ein: "Die Zeichnung ist keine Vorlage für die Radierung, sondern nachträglich erstellt worden. Sie ist durchgepaust. Ich verstehe jeden Experten, der an der Echtheit zweifelt. Denn das Blatt sieht auf den ersten Blick nicht koscher aus." Er aber ist von der Echtheit überzeugt: Albertini sei Gewährsmann genug. Koller will das Blatt erst dann zurücknehmen, wenn sich für ihn zweifelsfrei herausstellen sollte, dass es sich um eine Fälschung handelt. Springer will nun in der Schweiz Klage einbringen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.8.2005)