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Wien - "Wir befinden uns nicht mehr auf einer vierspurigen Autobahn wie noch im Vorjahr, sondern auf einer vielleicht gut ausgebauten, aber kurvenreichen Bergstraße". Wolfgang Reithofer, Chef des Baustoffkonzerns Wienerberger, musste bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Mittwoch erstmals seit 2001 einen Gewinneinbruch im Ostgeschäft bekannt geben. Dank der guten Performance der Regionen Zentral-Westeuropa und USA blieb der Konzern aber auf Wachstumskurs.

Der Umsatz des nach Eigenangaben größten Ziegelkonzerns der Welt kletterte im Berichtszeitraum um zehn Prozent auf 922,8 Mio. Euro (siehe Grafik). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich um neun Prozent auf 201,7 Mio. Euro, das operative Ergebnis (Ebit) um zwei Prozent auf 123,4 Mio. Euro. Analysten hatten bei beiden Kennzahlen mehr erwartet.

In seinem Ausblick auf das Gesamtjahr blieb Reithofer vage. "Das größte Fragezeichen für das zweite Halbjahr sind die Energiekosten", sagte der Wienerberger-Chef. Im Konzern selbst rechne man aus dem Titel teurere Energie mit einer Mehrbelastung von 30 Mio. Euro im Gesamtjahr. Zur Befeuerung der Öfen wird in der Ziegelindustrie vor allem Erdgas eingesetzt.

Konsumlaune getrübt

Mehr sorgt sich Reithofer aber um die Auswirkungen der teuren Energie auf die allgemeine Konsumlaune. Die Verunsicherung führe dazu, dass sich potenzielle Häuslbauer dreimal überlegten, ob sie eine Hypothek aufnehmen sollten. Indirekt wirke sich das auch auf das Wienerberger-Geschäft aus.

Das Ziel, auch heuer ein mindestens zehnprozentiges Gewinnplus zu schaffen, sei jedenfalls "ambitioniert", sagte Reithofer. Der Kurs der Wienerberger-Aktie gab zeitweise um acht Prozent nach, konnte sich dann aber von seinen Tiefstnotierungen etwas erholen.

Wienerberger beschäftigt weltweit 13.000 Mitarbeiter und hat Werke in zwei Dutzend Ländern.

Gewinneinbruch in Zentral- und Osteuropa

In Zentral- und Osteuropa hatte Wienerberger im 1. Halbjahr einen Gewinneinbruch (Ebitda) von zwölf Prozent auf 58,2 Mio. Euro zu verdauen. Während Rumänien sich besser entwickelte als erwartet gab es vor allem in Ungarn und Polen starke Einbrüche.

In beiden Ländern habe man es im Vorfeld des EU-Beitritts zum 1. Mai 2004 mit Vorzieheffekten zu tun gehabt, die nun weggefallen seien. In Kombination mit Überkapazitäten am Markt habe man es nun mit einem starken Preisdruck zu tun, der noch länger anhalten dürfte.

Während der Absatz in Deutschland, dem größten Ziegelmarkt Europas, noch immer schwach ist, sei die Nachfrage in Italien und der Schweiz, insbesondere aber in Zentral- und Westeuropa stark. In dieser Region, die von Belgien über Frankreich und Niederlande bis Skandinavien reicht, konnte Wienerberger sein Ebitda um 44 Prozent auf 83,4 Mio. Euro verbessern.

Zufrieden zeigte sich Reithofer über den Geschäftsverlauf in den USA. Das Ebitda kletterte dort von Jänner bis Juni um elf Prozent auf 30,3 Millionen Euro. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.08.2005)