"New York, New York" (Mercury /Universal)

Foto: Mercury /Universal

Der Schnulzensänger Frank Sinatra behauptete in seinem weltberühmten Song, dass, wer es in New York schaffe, es überall schaffe - "if I can make it there, I'll make it anywhere". Der Milliardärsbürgermeister Michael Bloomberg hat aus Manhattan eine Insel für seinesgleichen gemacht, einen Traum für Bausparer, in dem Typen wie unser Sänger Ryan Adams, klassischer Vertreter des alternativ-liberalen Amerikas, verdrängt werden: Die Hysterie der Tanten aus "Sex and the City" scheint mittlerweile das Höchstmaß gesellschaftlicher Abweichung zu markieren.

Als Adams das Stück schrieb, stand dieser Prozess gerade am Anfang; der Erzähler, einer abtrünnigen Liebe hinterhertrauernd, beschwört noch einmal die Bezugspunkte jenes ihm vertrauten, alternativen New York, das heute Geschichte ist - das "apartment on Avenue A" im East Village (Mieten inzwischen unbezahlbar) oder seine U-Bahn-Station "Houston and 3rd", wo er einst auf die Abtrünnige wartete (heute: russische Millionärsgattinnen auf dem Weg zu Prada). "I'll always love you though" - ruft er der Stadt hinterher, meint aber in Wirklichkeit die Abtrünnige.

Der Erzähler ahnt nicht, dass er die Stadt genauso verliert wie seine Liebe. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.8.2005)