Frankfurt - Die Angst vor einer Rezession der US-Wirtschaft hat den Anlegern am deutschen Aktienmarkt zum Wochenschluss die Hände gebunden. Der Dax pendelte bis zum Freitagmittag unentschlossen um den Vortagesschluss von 7414 Punkten. "Hier wartet alles darauf, wie es in den USA weitergeht. Vor dem langen Wochenende mit Feiertag an der Wall Street am Montag will hier keiner den Helden spielen", sagte ein Händler. Die Stimmung war Marktteilnehmern zufolge nervös, zudem blieben die Kurse wegen eines kleinen Verfallstermins schwankungsanfällig. "Auf der Aktienseite gibt es kein echtes Geschäft, das kommt alles von der derivativen Seite, weil die Leute sich absichern", ergänzte der Händler. US-Präsident George W. Bush will am Freitag erste Vorschläge für staatliche Anschubhilfen vorlegen, um eine Rezession der Wirtschaft zu verhindern. Marktteilnehmer reagierten mit Skepsis. "Die Tatsache, dass so ein Programm überhaupt nötig ist, ist negativ. Und Herr Bush wird mit seinem Zauberstab nicht alle Probleme lösen können." Erleichterung bei Metro-Anleger

Positiv aufgenommen wurden die Verkaufspläne des Handelsriesen Metro für seine Verbrauchermarkt-Kette Extra, die an die Handelsgruppe Rewe gehen soll. Händlern zufolge waren am Markt bereits Befürchtungen aufgekommen, dass ein Verkauf nicht mehr zustande kommen könnte. Das habe den Aktienkurs zuletzt belastet, und jetzt mache sich Erleichterung breit. Die Metro-Aktien lagen mit einem Plus von 3,7 Prozent auf 54,63 Euro an der Spitze der Dax-Gewinner. ThyssenKrupp-Aktien gewannen 1,5 Prozent, nachdem der Stahlkonzern im abgelaufenen Geschäftsquartal einen geringeren Gewinnrückgang verzeichnet hatte als von Analysten erwartet. Abwärts hingegen ging es für MAN-Aktien, die mit einem Abschlag von zeitweise mehr als drei Prozent zu den größten Dax-Verlierern gehörten. Ein Händler verwies zur Begründung auf Spekulationen, wonach MAN am Vortag seine Beteiligung am schwedischen Lkw-Hersteller Scania aufgestockt habe. Die Papiere von Allianz verloren ebenfalls um 2,9 Prozent auf 137,30 Euro. Händler verwiesen auf Marktgerüchte über eine angeblich bevorstehende Gewinnwarnung. Die Allianz lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Europaweit lagen Versicherungstitel im Minus. Auch für Chemiewerte wie BASF ging es weiter abwärts. "Wenn es mit der Wirtschaft bergab geht, trifft es am ehesten die Zykliker, und deshalb versucht man bei diesen Titeln Gewinne mitzunehmen", sagte ein Händler.

Übernahmefantasier bei Pfleiderer

Die Aktien von Pfleiderer im MDax machten mit einem Plus von zeitweise zwölf Prozent ihre Vortagsverluste wett. "Die Leute setzen schon darauf, dass eine Übernahme kommt", sagte ein Händler. Einem Zeitungsbericht zufolge plant Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) eine feindliche Übernahme. "Ob jetzt feindlich oder nicht ist eher zweitrangig", sagte der Händler. Die Aktien des Finanzinvestors Arques stürzten ab, nachdem das im MDax gelistete Unternehmen zum zweiten Mal innerhalb von neun Monaten seinen Vorstandschef verliert. Die Papiere fielen um bis zu 14 Prozent auf 14,95 Euro und damit zeitweise auf den tiefsten Stand seit einem Jahr. (Reuters)