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Jane Goodall nach Erhalt eines Ehrentitels der Universität von Pecs (Ungarn) im März 2005
Foto: AP/MTI/Ferenc Kalmandy
Berlin - Nachdem sie als Kind Tarzan-Bücher gelesen hatte, war sie dem Urwald und seinen Tieren rettungslos verfallen. "Ich wollte nach Afrika, mit Tieren leben und Bücher über sie schreiben", erinnert sich die Engländerin Jane Goodall. Die weltweit wohl bekannteste Schimpansenforscherin ist unermüdlich unterwegs und plädiert für einen ausgewogenen Umgang des Menschen mit der Natur. Am 22. August ist die 71-jährige UN-Friedensbotschafterin in Berlin.

Als kleines Mädchen sei sie auf Tarzans Jane mächtig eifersüchtig gewesen, berichtet Goodall auf ihrer Homepage: "Ich hielt sie für einen Schwächling und dachte, ich hätte so viel besser zu Tarzan gepasst!" Ihre Mutter habe ihr gesagt: "Jane, wenn du etwas wirklich willst und hart arbeitest, wenn du alle Gelegenheiten nutzt und nie aufgibst, dann wirst du einen Weg finden."

Biografie

Die kleine Jane, am 3. April 1934 in London geboren und an der Südküste Englands in Bournemouth aufgewachsen, gab nicht auf. Nach dem Besuch einer Mädchenschule machte sie Matura und besuchte eine Handelsschule. Sie arbeitete als Sekretärin bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme, als sie 1956 von einer Schulfreundin nach Kenia eingeladen wurde.

In Afrika angekommen, lernte sie über einige Umwege den als Frauenheld geltenden Paläontologen und Anthropologen Louis Leakey kennen. Sie arbeitete zunächst als dessen Sekretärin, bis Leakey sie zu Forschungsarbeiten ins Gombe-Reservat im heutigen Tansania schickte. Goodall wurde damit die erste von "Leakey's Angels", wie das Frauen-Trio aus Goodall, Dian Fossey und Birute Galdikas genannt wurde, die unter seiner Leitung zu weltweit anerkannten Primatenforscherinnen avancierten.

Erstmals "teilnehmende Beobachtung"

Unter den argwöhnischen Augen der Wissenschafts-Welt ließ Goodall mit ihren Forschungsergebnissen die zuvor scheinbar unumstößlichen Grenzen zwischen Menschen und Tieren immer mehr verschwimmen. Sie setzte erstmals auf eine "teilnehmende Beobachtung", gab den Schimpansen Namen statt Nummern. Eine Ausnahmegenehmigung ermöglichte ihr 1965 die Promotion an der Universität von Cambridge.

Zu diesem Zeitpunkt war sie mit dem Baron Hugo van Lawick verheiratet, 1967 wurde Sohn Hugo Eric Louis geboren. Im Jahr 1977, viele Forschungsprojekte weiter, gründete sie das Jane Goodall Institut. Rund 300 Tage im Jahr ist Goodall nach eigenen Angaben in der Welt unterwegs. Sie vereint 13 Ehrendoktorwürden auf sich und wurde mit weiteren Auszeichnungen überhäuft.

Engagement

Im Laufe der Jahre richtete sich Goodalls Arbeit zunehmend politischer aus. "Das Problem ist, dass die meisten Organisationen nur diskutieren, Pläne schmieden, Unterschriften sammeln, das Bewusstsein der Menschen schärfen - alles wichtige Dinge, aber währenddessen sterben die Schimpansen", sagte sie in einem Interview "Spiegel-Online". In Berlin wird sie auf dem "5. World Congress on Alternatives & Animal Use in the Life Sciences" dem tatkräftigen Tierschutz wieder ein Stück näher kommen. (APA/AP)