Brüssel - Ein verurteilter Mörder auf Hafturlaub hat in Brüssel zwei Frauen, darunter die Pflegemutter seiner Kinder, als Geiseln genommen und damit Chaos in Teilen der Innenstadt verursacht. Die belgische Polizei riegelte die Gegend rund um den Tatort am Hauptbahnhof stundenlang ab.

Anwohner durften nicht in ihre Häuser, Geschäfte blieben geschlossen, der Verkehr wurde umgeleitet. Anlass des Dramas waren nach Polizeiangaben vom Donnerstag familiäre Probleme: Der 37-jährige Täter fürchte, seine beiden Töchter im Alter von zwei und neun Jahren nicht mehr wiederzusehen.

Der mit einer Schusswaffe und einer Handgranate bewaffnete Kriminelle ist im Milieu als "Farid der Verrückte" bekannt. Er hatte die 47 Jahre alte Pflegemutter seiner beiden Kinder sowie deren 24-jährige Tochter am Mittwochabend in seine Gewalt gebracht. Seine beiden Töchter, die er zunächst ebenfalls in der Wohnung festgehalten hatte, ließ der Mann in der Nacht auf Donnerstag wieder frei.

Scharfschützen

Eine Polizistin wurde leicht am Arm verletzt, als sie mit einer Kollegin an den Ort der Geiselnahme gerufen wurde und der Täter das Feuer eröffnete. Rund um die Wohnung über einer Gaststätte nahe dem Brüsseler Hauptbahnhof bezogen Scharfschützen Stellung. Ein Ende des Nervenkriegs war 22 Stunden nach seinem Beginn noch nicht in Sicht.

Der Geiselnehmer war 1997 zu 13 Jahren Haft wegen eines Mordes und eines Mordversuchs aus Eifersucht verurteilt worden. Zwei Jahre später wurde er mit Blick auf eine Rückkehr in sein Heimatland Frankreich wieder freigelassen. "Farid der Verrückte" stand zudem wegen eines Banküberfalls mit Verletzten und einem Gefängnisausbruch vor Gericht. Im Jänner 2002 wurde der Kriminelle zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er seine ältere Tochter zwei Jahre zuvor in einem Schnellrestaurant als Geisel genommen hatte. (APA/dpa)