Salzburg - Der Gewinner der "Young Directors Award" 2005 heißt Sebastijan Horvat. Die Jury der Salzburger Festspiele vergab diese mit 10.000 Euro sowie einem etwa gleich teuren Füllhalter der Sponsor-Firma Montblanc dotierte Auszeichnung an den jungen Laibacher Regisseur für seine Inszenierung von "Alamut", einer dramatisierten Version des slowenischen Nationalromans von Vladimir Bartol.

Horvat setzte sich mit dieser Regiearbeit gegen drei Mitbewerber im "Young Directors Project" durch, nämlich das Teatro Sud Costa Occidentale aus Palermo, das Theater Kretakör und Arpad Schilling aus Budapest sowie das Prager Kammertheater und Regisseur Dusan David Parizek.

Kompromisslösung

In der offiziellen Begründung der Jury hieß es, Horvat habe das Publikum mitgenommen auf eine gefährliche Reise. Es sei gelungen, aus den Romanfiguren schicksalsfähige Bühnencharaktere zu gestalten. Das Stück mache nachvollziehbar, "wie leicht Menschen manipuliert werden können und bearbeitet einen bestürzend aktuellen Stoff". Dennoch hat die Jury bestehend aus Schauspieler Peter Simonischek als Vorsitzendem, Galerist Thaddäus Ropac, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler und Kunstkritiker Wolfgang Kralicek lange beraten, und ist erst am Donnerstag frrühmorgens zu einer Entscheidung gekommen, wie Peter Simonischek erläuterte: "Alamut war das einzige konsensfähige Stück. Drei von uns hätten lieber eine andere Regie-Arbeit vorne gesehen, aber mit Alamut konnten wir alle vier."

"Insgesamt war das Niveau vor zwei Jahren deutlich höher, keine Frage", sagte der Jury-Vorsitzende, der damit die überwiegende Meinung der Fachpresse teilt. "Heuer hat mich nichts wirklich vom Hocker gehauen, so wie die Alvis Hermanis-Regie von Gogols Revisor im Jahr 2003. Aber als Künstler und Theaterfan sage ich, Theater, das mich vom Hocker haut, erlebe ich nur alle zehn Jahre einmal, das kann ich nicht ständig erwarten. Also werde ich mich gedulden."

Der Schauspielchef der Festspiele, Martin Kusej, betonte, dass es heuer außer dem Teatro Sud lauter Produktionen gegeben habe, die hier in Salzburg entstanden, vorher also nur in groben Zügen bekannt gewesen seien. "Ich habe meinen Spaß gehabt an diesen Unwägbarkeiten, das Risiko ist Teil meines Konzeptes", so Kusej. (APA)