Am Ende gelangen doch noch zwei Tore.

Graz - Es gab gegen die Schotten in Graz nicht viel, was man in einem der schwächsten Fußball-Länderspiele unter der Krankl-Ära an Positiva aufzählen könnte. Gut war die Moral, mit der aus einem 0:2 noch ein 2:2 wurde, gut waren die beiden Torschützen Andreas Ibertsberger und Joachim Standfest, und zufrieden durfte man auch mit den Debütanten Ronald Gercaliu, Jürgen Säumel und Sanel Kuljic sein.

"Diese fünf Leute haben sich Selbstvertrauen geholt. Vor allem Ibertsberger und Standfest mit ihren Treffern", meinte der ÖFB-Teamchef, der während seiner Amtszeit seit 1. Februar 2002 Gercaliu, Säumel und Kuljic als Nummer 38, 39 und 40 hatte debütieren lassen. "Ich war nie nervös, habe mein Spiel gemacht", sagte der gebürtige Albaner, Gercaliu, der erst vor vier Monaten "Ja zu A" gesagt hatte.

Den Ausrutscher, der dem Sturm-Verteidiger vor dem 0:1 unterlaufen war, nahm Krankl dem Neuling nicht übel. Das könne jedem anderen auch passieren, Gercaliu habe sehr brav gespielt. Säumel und Kuljic haben ihre Sache für das erste Mal auch zur Zufriedenheit erledigt. Säumel auf der linken Seite hatte mit Andreas Ivanschitz, Standfest und Aufhauser ein Art Raute gespielt, was sich Ivanschitz auch fürs Polen-Spiel vorstellen könnte.

Ivanschitz kritisch

Den Rapid-Kapitän hatte es in Graz immer wieder in die Mitte gezogen, so dass die linke Mittelfeldseite lange Zeit verwaist war. "Im Zentrum bin ich besser ins Spiel gekommen, so wollte ich der Mannschaft mehr helfen", klärte der Teamkapitän auf. Dass letztlich nur das Resultat halbwegs passte, führte der Burgenländer auf die fünfmonatige Teampause und die kurze Regenerationszeit zwischen der Bundesliga am Sonntag und dem Länderspiel zurück.

"Aber so sind wir nun wenigsten aufgewacht und haben gemerkt, dass es auf internationaler Ebene zu wenig ist, wenn man läuferisch und taktisch nicht alles gibt. Man sah aber auch, unsere Mannschaft hat Moral", sagte Ivanschitz mit einem Ausblick auf das vorentscheidende WM-Qualifikationsspiel am 3. September in Chorzow (Königshütte) gegen die Polen, die die Tabelle der Gruppe sechs anführen.

Wenn es im ÖFB-Team am Mittwoch im Schwarzenegger-Stadion Gewinner gab, dann waren es sicherlich die beiden Torschützen, die erstmals im Teamdress trafen. Ibertsberger gelang dies in seinem dritten Länderspiel aus gemessenen 32 m, Standfest in seinem siebenten Anlauf aus kurzer Distanz per Kopf. "Ich habe mir gesagt, hau einfach drauf und dann war ich selbst erstaunt, dass der Ball drinnen war", erzählte der Blondschopf in Freiburg-Diensten über sein ganz persönliches Erfolgserlebnis, das er mit seinem schwächeren linken Fuß erzielte. "Mit diesem Tor ins Kreuzeck kamen die Hoffnung und das Publikum zurück", befand Krankl.

Auch der Ausgleich war nicht einer durchdachten Kombination, sondern einem Weitschuss entsprungen. Keeper Douglas hatte nach Ivanschitz-Knaller den Ball nur kurz abgewehrt und Standfest per Kopf abgestaubt. "Der Tormann hat nicht gut ausgesehen, ich bin sofort auf den Abpraller gegangen", so der GAK-Mann, der das 1:2 als sehr wichtig und als "Ruck" bezeichnete. Seiner Meinung nach wurden die Schotten nicht unterschützt. "Sie haben ein gutes 4-4-2 gespielt," befand der Defensivmann mit dem Drang nach vor. (APA)