Hannes Androsch hat eine Medienpräsenz, wie sie sich SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer nur wünschen kann. Zuletzt schlug sein Interview in der Kleinen Zeitung ("Kanzler agiert armselig und billig") Wellen, erst am Mittwoch gab er in Salzburg dem ORF-Landesstudio vor Publikum ein langes Interview, das demnächst ausgestrahlt werden soll. "Er hat argumentiert, wie ein Oppositionsführer eben argumentieren muss", seufzt ein hochrangiger roter Augen- und Ohrenzeuge, "so gescheit und so politisch." Androsch selbst schließt für sich eine Rückkehr in die Politik aus. Beobachtern ist aber nicht entgangen, dass er verstärkt seinen "Ziehsohn", Salinen-Austria-Vorstand Thomas Jozseffi in Stellung bringt. Das wiederum sorgt in der SPÖ-Zentrale für Irritationen. Joszeffi ist zwar Teil des SPÖ-Kompetenzteams Wirtschaft. Androsch hat auch nach wie vor den Status eines "informellen" Wirtschaftsberaters Gusenbauers. Leiter des Kompetenzteams ist aber Budgetsprecher Christoph Matznetter. Offiziell sind solche komplizierten Personalformationen natürlich kein Problem. Inoffiziell stöhnt ein Koordinator: "Mit dem muss man leben." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. August 2005)