Wien - Ein weiteres, entscheidendes Detail der Entstehung von Leukämie haben Wissenschafter des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beim Wiener AKH um Giulio Superti-Furga gemeinsam mit deutschen Kollegen enträtselt. Die Erkenntnisse könnten zur Entwicklung von neuen Medikamenten gegen die Krankheit führen, erklärte Oliver Hantschel vom CeMM.

Bisher war bekannt, dass ein bestimmter Eiweißstoff (Protein) in der Zelle mit der Bezeichnung "Bcr-Abl" Leukämie auslöst. Dieser Stoff ist ein so genanntes Fusionsprotein, das heißt, es setzt sich aus zwei verschiedenen Teilen zusammen. In gesunden Zellen werden "Bcr" und "Abl" an verschiedenen Chromosomen gebildet, so kommt es nicht zur Fusion der beiden Proteine. Erst durch einen fehlerhaften Austausch im Erbgut - eine so genannte Translokation - kann es passieren, dass sich die Bildungsstellen von "Bcr" und "Abl" auf einem Chromosom konzentrieren. So kann die verhängnisvolle Kombi-Substanz entstehen. Die Folge ist unkontrolliertes Wachstum der Zellen und fortwährende Teilungen.

Positionierung

Allerdings, so fanden die Forscher jetzt heraus, reicht die Anwesenheit von "Bcr-Abl" in der Zelle alleine noch nicht aus, dass es zu unkontrolliertem Wachstum und somit Krebs kommt. Das Kombinationsprotein muss an einem bestimmten Ort positioniert sein, erst dann löst es jene Vorgänge aus, die zu wucherndem Wachstum führen.

Selbst wenn in einer Zelle die Translokation passiert ist, wenn man verhindert, dass "Bcr-Abl" diesen Platz einnimmt, passiert gar nichts. Die Wissenschafter haben daher berechtigte Hoffnungen, dass ihre Erkenntnisse zu einer neuen Generation von Medikamenten gegen Leukämie führen. (APA)