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Israelische Soldaten vor der Siedlung Gadid.

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Siedler verlassen Gadid.

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Siedler am Dach ihrer Häuser in Gadid am Freitag.

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Tel Aviv - Die israelischen Sicherheitskräfte haben am Freitagnachmittag die Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zur Einhaltung des Sabbat unterbrochen. Die Evakuierungsmaßnahmen sollen am Sonntag wieder aufgenommen werden. "Es kann sein, dass bis Dienstag oder Mittwoch alle Siedler aus dem Gazastreifen entfernt sind", schätzte der Chef des Südkommandos, General Dan Harel, im israelischen Armeeradio. Der General bestätigte damit, dass die Räumungsphase wesentlich weniger Zeit als die geplanten drei Wochen in Anspruch nehmen wird.

Dann würde die Evakuierung der Siedlungen Homesh und Sanur im nördlichen Westjordanland begonnen. In Sanur hätten sich Hunderte von militanten jugendlichen Abzugsgegner versammelt. Die Einwohner der beiden anderen Siedlungen Ganim und Kadim seien bereits in den vergangenen Wochen freiwillig in das israelische Kernland zurückgekehrt.

Am Freitag hatten sich die Truppen nur die kleine Landwirtschaftssiedlung Gedid vorgenommen und dort den Widerstand rasch gebrochen. Nach dem dritten Tag der Zwangsevakuierung waren nur noch vier der ursprünglich 21 Siedlungen bewohnt, und rund 1250 der 1500 Siedlerfamilien waren schon weggezogen oder weggebracht worden.

Flaschen und Eier

In den Häusern von Gedid waren nur noch sechs Familien verblieben, als Soldaten Freitagfrüh das verrammelte Siedlungstor niederrissen und an brennenden Autowracks vorbeimarschierten. Auch hier waren es vor allem ortsfremde junge Rechtsaktivisten, die physischen Widerstand leisteten und die Räumungstruppen mit Dachschindeln, Flaschen und Eier bewarfen.

Die letzte Bastion war wieder die Synagoge, aus der rund 90 Menschen einzeln herausgeschleppt und in Autobusse verfrachtet werden mussten. Doch bei Weitem wildere Szenen hatten sich am Abend davor in der isolierten Siedlung Kfar Darom abgespielt - hier mussten Soldaten in einem Container auf das Synagogendach gehievt werden, wo sie mit ätzendem Farbverdünner, Farbe und Öl angeschüttet wurden. Dutzende Uniformierte und Zivilisten brauchten danach Spitalsbehandlung, darunter einige Soldaten mit schlimmen Haut- und Augenreizungen.

Gefühl der Wut

Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen bezeichnete Premier Ariel Sharon die militanten Demonstranten als eine "Bande von Wilden". Als er gesehen habe, wie eine Gruppe von Demonstranten vom Dach einer Synagoge aus die Sicherheitskräfte attackierte, sei seine Traurigkeit über die Räumung der Siedlungen einem "tiefen Gefühl der Wut gewichen", sagte Sharon in einem Interview mit der Tageszeitung Yediot Ahronot.

Für Sonntag und Montag ist die Räumung der Siedlungen Atzmona und Netzarim vorgesehen, danach soll, eine Woche früher als ursprünglich geplant, die Überführung von Landwirtschaftsgerät und Gärtnereien nach Israel anlaufen. Zugleich wird die mit den Palästinensern vereinbarte systematische Demolierung der Wohnhäuser beginnen, obwohl ein angestrebtes Abkommen mit Ägypten über die Ablagerung von Schutt im Sinaigebiet noch immer nicht perfekt ist. (red/APA/Von Ben Segenreich aus Kissufim, DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.08.2005)