Berlin - Hunde, Katzen, Affen oder Kaninchen sitzen überall in der Welt in Versuchslabors und müssen zum Wohle des Menschen grausame Tests über sich ergehen lassen. Tierschützer fordern seit Jahren, dem Leid der wehrlosen Geschöpfe ein Ende zu setzen. Auch Wissenschafter bemühen sich zunehmend, Alternativen zu Experimenten am Tier durch Tests an Zellkulturen oder Computermodellen zu finden.

Die Gentechnik eröffnete ein neues weites Versuchsfeld, verspricht aber auch Erlösung für viele gequälte Vierbeiner. Ab Montag wollen Vertreter aus Wissenschaft, der Kosmetik- und Pharmaindustrie sowie Tierschützer die Möglichkeiten zum Schutz der Tiere in Labors auf einem internationalen Kongress in Berlin diskutieren.

Tierversuche für Kosmetika

Den Schwerpunkt des 5. Weltkongresses über Alternativmethoden zu Tierversuchen bilden die umstrittenen Tierversuche für Kosmetika. Auf Druck der Verbraucher sehen sich Kosmetikhersteller oder Zulieferer wie L'Oreal, Unilever, Procter & Gamble, Beiersdorf oder Henkel im Zugzwang. Sie treten als wichtige Sponsoren der alle drei Jahre stattfindenden Veranstaltung auf, nutzen aber auch die Gelegenheit, Tierversuche für Schönheitsprodukte zu rechtfertigen.

Immer noch müssen Kaninchen quälende Experimente erleiden, um beispielsweise die Reizung von Chemikalien in Augen oder auf der Haut zu testen. Zum Teil wären zwar alternative Test an Hautgewebe vom Menschen möglich, diese sind aber oft schlicht teurer als der Tierversuch.

Suche nach Alternativen

Dennoch hat die Suche nach Alternativen große Erfolge zu verzeichnen: In Deutschland hat sich die Zahl der Tierversuche in den vergangenen zehn Jahren halbiert, wie Horst Spielmann vom staatlichen Bundesamt für Risikobewertung (BfR) sagt. Der Wissenschafter erfasst und bewertet alternative Methoden. Die Pharmaindustrie etwa überprüft viele Substanzen inzwischen am Computer und nur die aussichtsreichsten werden noch an Tieren erprobt. In den neunziger Jahren gab es in der Arzneimittelproduktion noch zehn Mal mehr Tierversuche. Heute muss beispielsweise laut Spielmann kein Tier mehr für die Herstellung von Schwangerschaftstest leiden. Und die negative Wirkungen von Arzneien unter Sonneneinstrahlung (so genannte Fototoxizität) könne inzwischen an Zellkulturen gemessen werden.

Die Zahl der Tierversuche in Österreich ist zuletzt wieder gestiegen. 187.336 Tiere, und damit um neun Prozent mehr als im Jahr davor, wurden im Jahr 2004 "verbraucht".

Begrenzungen und Fortschritte

Die Nebenwirkungen vieler Medikamente bei langfristiger Einnahme oder auch die Verteilung von Wirkstoffen im Körper dagegen sind laut Spielmann nur teilweise am Computer vorhersagbar. Auch für die Entwicklung von Impfstoffen seien Tierversuche bisher unverzichtbar, erläutert der Wissenschaftler, der den Weltkongress mit organisiert.

Für einige Tiere kann die Gentechnik allerdings auch die Rettung sein: Das für Diabetiker lebenswichtige Hormon Insulin wurde früher in Bauchspeicheldrüsen von Schweinen gewonnen. Um die Gefahr von Verunreinigungen zu vermeiden, wurde jede einzelne Charge zweimal an Mäusen getestet. Seit 1982 wird reines Insulin gentechnisch in Bakterienkulturen produziert. Tiere kommen dabei nicht mehr zu Schaden. (APA)