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"Pink Sheep of the Family" vor der Wiener ÖVP-Zentrale.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER
Wien - Laut Schätzungen sind zehn Prozent der WienerInnen entweder homo-, bi- oder transsexuell. Um auf diesen Umstand aufmerksam zu machen - und um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen - haben die Wiener Grünen am Freitag eine ungewöhnliche Aktion gestartet. Sie ließen zehn Schafe vor der ÖVP-Zentrale in der Lichtenfelsgasse aufmarschieren. Eines der Tiere war zuvor mit rosa Farbe besprüht worden.

"Rosa Schafe" der Gesellschaft

"Pink Sheep of the family", so lautet das entsprechende Motto jener Grünen Kampagne, die für eine "konsequente Gleichstellungspolitik" wirbt. "Wir sind nicht die schwarzen Schafe, wir sind die rosa Schafe der Gesellschaft", betonte Marco Schreuder, Sprecher der "Grünen Andersrum" und Kandidat für die Wien-Wahl im Herbst.

Die Grünen erinnerten an eine in der ÖVP eingerichtete Arbeitsgruppe, die sich mit Gleichstellungsmaßnahmen für lesbische und schwule Partnerschaften beschäftigt hat. Das Ergebnis sei mager gewesen - da nur die Angleichung von Lebensgemeinschaften vorgeschlagen worden sei. Umgesetzt sei aber auch das noch nicht, so die Kritik.

Zivilpakt für alle Paare

Nach Ansicht der Wiener Grünen sollen sowohl verschieden- wie gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften die Möglichkeit erhalten, am Standesamt einen Zivilpakt eintragen zu lassen. Dieser würde in vielen Punkten gleiche Rechte und Pflichten wie bei der Ehe zur Folge haben. Um "jegliche Ungleichstellung" zu beseitigen, fordern die Grünen aber auch die Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Der nicht amtsführende Stadtrat David Ellensohn (G) verwies zudem auf die Forderung nach Einführung einer "Wiener Ehe", die auf Landesebene umgesetzt werden könnte. Auch sie würde die Eintragung im Standesamt beinhalten. Wien könnte damit gesellschaftspolitische Akzente für ganz Österreich setzen, hieß es heute.

Die regierende SPÖ hat diese Forderung bisher abgelehnt. Ein reiner Registrierungsakt beim Magistrat würde ohne praktische Rechtsfolgen bleiben, lautete die Begründung. Außerdem sei verfassungsrechtlich eindeutig der Bundesgesetzgeber gefordert.

Farbe ungefährlich

Folgenlos soll der Ausflug auch für die Schafe bleiben. Wie die Grünen versicherten, sind die in Niederösterreich beheimateten Tiere artgerecht transportiert worden. Die verwendete rosa Farbe sei ebenfalls ungefährlich - und abwaschbar.

ÖVP-Lopatka: Lebensgemeinschaften werden angeglichen

ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka erklärte am Freitag in einer Reaktion auf die Aktion, dass die Diskriminierung bei gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften beseitigt werden soll. Allerdings: "Die Ehe ist für die ÖVP nicht disponibel."

Ein entsprechendes Papier sei bereits von einer Arbeitsgruppe formuliert und vom ÖVP-Bundesparteivorstand beschlossen worden. Lopatka, der den Aktivisten der Grünen die ÖVP-Position auch persönlich mitteilte, zeigte sich zuversichtlich, dass es bei der vom ÖVP-Parlamentsklub eingeleiteten Gesetzesinitiative im Herbst zu einem Abschluss der Verhandlungen mit dem Koalitionspartner kommen werde.

Eine klare Absage erteilte Lopatka der Forderung nach Heirats-Erlaubnis: "Die Ehe homosexueller Paare ist aus unserer Sicht kein erstrebenswertes Ziel." (APA)