STANDARD-Korrespondent Rainer Koch aus Prag

Die Kunden der tschechischen Sparkasse Ceska Sporitelna (CS) dürfen auf radikale Verbesserungen hoffen. Wenn die Erste Bank im Juni ihr Geldhaus, das die meisten Privatkonten in Tschechien führt, definitiv übernimmt, soll der Service auf internationales Niveau getrimmt werden. Jack Stack, für die Erste Bank als Vizechef in den CS-Vorstand gewählt, erklärte gegenüber der Zeitung Lidove noviny, 22 so genannte Transformationsteams mit 300 tschechischen und österreichischen Mitarbeitern würden bis Mai Pläne ausarbeiten, was zur Modernisierung nötig sei. Priorität hätten Veränderungen beim Personal, das Stack als "größte Schwäche der Tschechischen Sparkasse" bezeichnete.

Den Leuten fehle es weniger an gutem Willen als an Qualifikation und Motivation. Bisher seien Mitarbeiter zu wenig mit dem Service am Kunden beschäftigt, müssten "unnötig viele Papiere unterzeichnen" und würden zudem unzureichend von moderner Informationstechnik unterstützt. Schulungen sollen da Abhilfe schaffen. Außerdem wird ein leistungsbezogenes Gehaltssystem eingeführt.

Die Erste Bank plant allerdings auch den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung etlicher nicht effektiver CS-Filialen. Von bisher 15.200 Mitarbeitern der Sparkasse müssten vermutlich die Hälfte gehen, hatte es in tschechischen Zeitungen geheißen. Das wollte Stack zwar nicht bestätigen, er teilte aber mit, dass heuer 1200 Leute gehen müssten und der Abbau auch in den kommenden Jahren weitergehe.

Bis Ende 2001 wolle man die CS in eine moderne, konkurrenzfähige Bank verwandeln. Dazu gehört auch die Modernisierung der Technik. Bisher können CS-Kunden beispielsweise an den Bankomaten nicht kontrollieren, welchen aktuellen Stand ihr Konto hat. Deshalb muss das gesamte CS-Rechnersystem umgebaut werden.

Wegen der im Vergleich deutlich geringeren Personalkosten erwägt die Erste Bank aber auch, einige Bankoperationen von Österreich auf die Tschechische Sparkasse zu übertragen. Stack bestätigte, dass der Name der neuen Tochter, wie im Vertrag zugesichert, erhalten bleiben wird. In absehbarer Zeit wolle man aber in Österreich und bei den Filialen in Tschechien und Kroatien unter einem gemeinsamen Logo auftreten.