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Bei der Hausse rund um die Übernahme von Reebok durch Adidas verschaften sich einige Onlinebroker anscheinend einen illegalen Vorteil.

Foto: Reuters/ANDREAS MANOLIS
Washington/New York - In der Affäre um Insiderhandel vor der Übernahme des US-Sportartikelherstellers Reebok durch den deutschen Konkurrenten Adidas hat die US-Börsenaufsicht SEC acht weitere Verdächtige benannt.

Im Zentrum der Ermittlungen steht nun ein 28-Jähriger früherer Aktienhändler aus Clifton im US-Bundesstaat New Jersey. Er ist der Neffe der 63 Jahre alten Rentnerin Sonja Anticevic aus Kroatien, deren Depot als erstes in den Verdacht lukrativer verbotener Geschäfte mit Reebok-Wertpapieren geraten war.

Die SEC erwirkte am Donnerstag eine gerichtliche Verfügung, Konten mit über sechs Mio. Dollar (4,9 Mio. Euro) an "illegalen Gewinnen" einzufrieren. Damit soll verhindert werden, dass das Geld aus den USA herausgeschafft wird.

Neun Verdächtige

Der SEC zufolge hatten die neun Verdächtigen kurz vor der Bekanntgabe des Plans von Adidas zu der rund 3,1 Mrd. Euro schweren Übernahme von Reebok Anfang August tausende von Kaufoptionen sowie 145.000 Reebok-Aktien gehandelt. Die Papiere reagierten mit einem 30-prozentigen Kurssprung auf die Übernahme.

Die SEC wirft dem 28-Jährigen vor, einige der Transaktionen selbst vorgenommen zu haben und einigen - oder sogar allen - anderen Verdächtigen Tipps gegeben zu haben. Zu den Verdächtigen gehört nach Angaben der Börsenaufsicht auch ein Mann aus Reinbek bei Hamburg und der unbekannte Inhaber eines Depots beim österreichischen Online-Broker Direktanlage.at.

In mit dem Fall vertrauten Kreisen hieß es, die SEC untersuche, ob das Onlinekonto der Kroatin bei der zu Charles Schwab gehörenden CyberTrader ohne ihr Wissen eingerichtet und geführt worden sei.

Kroatische Strohfrauen/männer?

Anticevic, die in einer Kleinstadt an der kroatischen Küste lebt und Zeitungsberichten zufolge in einer Unterwäschefabrik gearbeitet hat, hatte sich auf Anfrage von Reuters überrascht gezeigt. Sie kenne sich am Aktienmarkt überhaupt nicht aus. Die übrigen Verdächtigen kommen aus dem Großraum New York und aus Kroatien.

Die Anwälte der drei New Yorker Verdächtigen wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Der Ex-Broker war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Sein Vater sagte, er wisse nicht, wo sich sein Sohn aufhalte.

Der ebenfalls beschuldigte Kroate Iljia Borac sagte, er habe keine Ahnung, was Insiderhandel sei. Er habe keinen Anwalt. "Ich bin geschockt", sagte er am Telefon. "Ich weiß nichts von diesem Handel. Ich habe noch nicht mal ein Auto. Ich habe nur zwei Kinder." (APA/Reuters)