Wien - Der Verein Wiener Frauenhäuser verzeichnet im Vorjahresvergleich einen Anstieg Hilfe suchender Frauen. 2004 wurden insgesamt 516 Frauen in den vier Wiener Frauenhäusern untergebracht, im ersten Halbjahr 2005 waren es bereits 326 Frauen. Auch die Zahl der Kontakte zu der ambulanten Beratungsstelle würde seit Jahren steigen, zog Frauenstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) am Freitag Bilanz. Innerfamiliäre Aggression sei eine besonders schlimme Form der Gewalt, sagte Wehsely. "Das ist keine private sondern eine gesamtgesellschaftliche Frage."

In Wien gibt es insgesamt 164 Wohnmöglichkeiten für betroffene Frauen und Kinder. Der Verein verwaltet auch 26 Nachbetreuungswohnungen.

Gefährliche Ehe

"Auch die Ehe ist kein sicherer Hafen", erklärte Andrea Brem, Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser. 69 Prozent der Frauen, die im Vorjahr Schutz in einem Frauenhaus suchten, seien verheiratet. Schwierig sei die Lage bei älteren Frauen, die sich eine solchen Situation nicht zutrauen würden und bei Migrantinnen, die bei einer Trennung oft vor dem existenziellem Nichts stünden. "Die Situation der Frauenhäuser in Wien ist sehr gut, in anderen Bundesländern ist das anders", betonte Martina Ludwig, Wiener Frauenhäuser-Vorsitzende. Die Frauenhäuser und die Beratungsstelle seien ein Fixpunkt im Budget der Stadt Wien.

Kritik wurde am Bund wegen "unzureichender Dotierung" der Interventionsstellen geübt. Diese arbeiten eng mit der Polizei zusammen und sind für die Betreuung der Opfer nach einer Täterwegweisung zuständig. Der 18. bis 23. Bezirk würden aber wegen Geldmangel nicht betreut, ein "untragbarer Zustand", so Wehsely. (grill/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 20.8./21.8. 2005)