Jerusalem/Azmona/Gaza/Katif/Sanur - Israelische Sicherheitskräfte haben am Sonntag die Zwangsräumung jüdischer Siedlungen im Gaza-Streifen fortgesetzt. Mehr als tausend unbewaffnete Soldaten und Polizisten waren in der vorletzten zu räumenden Siedlung Azmona im Einsatz, deren 400 Bewohner gemeinsam mit 200 radikalen Abzugsgegnern nur symbolischen Widerstand leisteten.

Zuvor hatten sich Hunderte israelische Sicherheitskräfte Zugang zur Siedlung Katif verschafft, deren Bewohner am Eingang Autoreifen und Mülltonnen in Brand gesteckt hatten. Nach Azmona und Katif sollte Netzarim als letzte Siedlung am Montag geräumt werden. Die anderen 18 der insgesamt 21 jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen waren bereits bis Freitag evakuiert worden. In einigen von ihnen begannen israelische Soldaten bereits mit der Zerstörung von Häusern.

Sabbat-Unterbrechung

Am Samstag waren die Räumungen wegen des jüdischen Sabbats unterbrochen. Mehr als 85 Prozent der rund 8.500 israelischen Siedler im Gaza-Streifen haben den seit nahezu vierzig Jahren von Israel besetzten Küstenstreifen bereits verlassen.

Das israelische Kabinett billigte am Sonntag in einer weiteren Teilabstimmung die Räumung von drei kleinen Siedlungen im Norden des Gaza-Streifens und von vier isolierten Siedlungen im Westjordanland. Amtlichen Angaben zufolge stimmten 16 Minister dafür und vier - alle von der Likud-Partei von Premier Ariel Sharon - dagegen. Die Regierung hatte bei ihrer Grundsatzentscheidung über den Abzug im Juni 2004 beschlossen, die tatsächliche Räumung nochmals in Teilvoten zu billigen.

Zusammenstöße in Sanur

In Sanur im Westjordanland kam es am Sonntag zu Zusammenstößen zwischen jüdischen Siedlern und Soldaten. Bewohner der Siedlung kletterten auf zwei gepanzerte Bulldozer, die das Gelände in Vorbereitung auf den Abzug frei räumen sollen. Etwa ein Dutzend Soldaten versuchte, die Protestierenden zurückzudrängen. Augenzeugen zufolge schlugen Siedler auf Soldaten ein, die sich zur Wehr setzten.

Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas forderte am Sonntag die rasche Umsetzung der Zwei-Staaten-Lösung. "Ein palästinensischer Staat würde in Frieden Seite an Seite mit dem Staat Israel leben", betonte Abbas bei einer Pressekonferenz mit dem US-Gesandten David Welch. Die USA wollen Hilfsprojekte im Gaza-Streifen laut Abbas mit insgesamt 80 Millionen Dollar (65,7 Mio. Euro) unterstützen. Die US-Regierung habe ihr Versprechen gehalten und 50 Millionen Dollar für die Finanzierung von Wohnungsbauprojekten und für die Schaffung von Arbeitsplätzen bereitgestellt, erklärte der palästinensische Präsident. (APA/AFP/Reuters/AP/dpa)