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Grafik: APA
Graz/Klagenfurt/Wien - Der Regen nimmt vorerst kein Ende: Erst am Mittwoch soll sich in Österreich das Wetter langsam beruhigen, prophezeien die Meteorologen. Erst dann wird man die Schäden, die Muren und Überflutungen angerichtet haben, umfassend begutachten können - noch stehen die Rettungskräfte im Dauereinsatz.

Besonders in der Steiermark: Dort war die Hochwassersituation am Montag weiter angespannt. Nachdem in der Nacht vor allem im Bezirk Weiz Muren abgingen und Flüsse um Graz, aber auch in der Ost-, Süd- und Weststeiermark, über die Ufer getreten sind, gingen die Pegelstände leicht zurück. Dennoch blieb die Lage - auch im Hinblick auf erwartete weitere Regenfälle - kritisch.

Am schlimmsten betroffen war Gasen im Bezirk Weiz. Sonntagabend ging dort eine Mure ab, eine 50-Jährige starb bei dem Unglück. Dieses ereignete sich gegen 20 Uhr: Ein Haus wurde dabei fast zur Gänze weggerissen, ein zweites schwer beschädigt. Die 77-jährige Hausbesitzerin wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, ihre Schwiegertochter wurde von der Schlammlawine begraben und starb.

Insgesamt waren rund 50 Häuser und Gehöfte von Hangrutschungen bedroht, 15 Familien mussten in Sicherheit gebracht werden. Experten waren per Hubschrauber unterwegs, um gefährdete Hanglagen und Risse zu lokalisieren. Gasen war längere Zeit von der Umwelt abgeschnitten, der Mobilfunk fiel ebenso aus wie die Stromversorgung. Das Bundesheer stellte für die Region einen eigenen Katastropheneinsatzzug zusammen. Auch das Kriseninterventionsteam Steiermark (Kit) war vor Ort, um die Betroffenen psychologisch zu betreuen.

Insgesamt waren am Sonntag 331 Feuerwehren mit 5100 Leuten im Einsatz. Am Montag waren es noch 500 Feuerwehrleute, dazu kamen 180 Soldaten des Bundesheeres, die Assistenz leisteten. Montags waren noch vier Bundes-und elf Landesstraßen abschnittsweise gesperrt. In Graz gingen bis Montagfrüh 500 Hilfsersuchen ein: Mehrere Hundert Keller mussten ausgepumpt, entwurzelte Bäume von Straßen geräumt werden. Der Pegel der Mur betrug 5,50 Meter - der Katastrophenalarm blieb aufrecht.

Sondersitzung in Graz
In der Grazer Burg tagte Montagvormittag der Landeskoordinationsausschuss unter Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (VP) und den Leitern der Abteilungen und Einsatzorganisationen. Für Donnerstag wurde eine Sondersitzung der Landesregierung anberaumt, wo bereits konkrete Hilfsmaßnahmen (siehe Artikel rechts) beschlossen werden sollen, auch der Bund will sich beteiligen.

Kritik kam von den steirischen Grünen und der Grazer KPÖ. Der Hochwasserschutz sei in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden, naturnaher Rückbau von Gewässern nicht erfolgt, bemängeln die Grünen. Die KPÖ sieht in der Landeshauptstadt Probleme bei der Flächenwidmung, hochwassergefährdete Gebiete entlang der kleinen Bäche im Stadtgebiet seien als Bauland ausgewiesen.

Die Steiermark steht mit ihren Problemen aber nicht allein da. Knapp 100 Liter pro Quadratmeter Regen fielen in Kärnten seit Samstagnachmittag. Die Folgen auch hier: gesperrte Straßen und Murenabgänge, im Bezirk Wolfsberg wurde das Auto eines 23-Jährigen von Schlammmassen mitgerissen, der Lenker konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Laut Christian Stefan von der Klagenfurter Wetterwarte beträgt die Regenmenge im Juli und August bisher bereits etwa 400 Liter pro Quadratmeter: "Das ist der nasseste Sommer in Kärnten seit 1948." (APA, moe/red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.08.2005)