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Gattermann präsentierte das Siegermodell.

Foto: AP/Gert Eggenberger
Standard: Wie läuft das lange Zeit so umstrittene Stadionprojekt in Klagenfurt? Gattermann: Es hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst. Der Zeitplan wird eingehalten. Im Februar oder März nächsten Jahres werden die Bauarbeiten beginnen.

STANDARD: Sie haben als Vorsitzender der Vergabekommission Anwürfe unter anderem von Sportstaatssekretär Karl Schweitzer und Landeshauptmann Jörg Haider übertaucht. Sie sind bei vielen Projekten dabei - haben Sie so eine politische Mauschelei vorher schon einmal erlebt?
Gattermann: Noch nie. Diesmal ging es einfach darum, das beste Projekt nicht zu verlieren. Das politische Match wurde über die Bauunternehmer Porr und Strabag gespielt. Aber gewonnen hat der Architekt Albert Wimmer. Jetzt werden alle eingereichten Projekte veröffentlicht, da kann sich jeder ein Bild über die Qualitäten machen.

STANDARD: Es ist an dem im März beendeten Vergabeverfahren nicht zuletzt kritisiert worden, dass Wimmer an der Projektausschreibung beteiligt war und dann prompt gewonnen hat.
Gattermann: Das ist nie richtig kolportiert worden. Fakt ist, dass Wimmer bereits beim Stadion in Innsbruck mitgearbeitet und das Stadion in Salzburg gebaut hat. Ein Exmitarbeiter von ihm hat die Ausschreibungsunterlagen für Klagenfurt mitgestaltet, das Büro Wimmer hat nicht mitgearbeitet. Das Bundesvergabeamt hat auch kein Problem gesehen.

STANDARD: Die Umweltverträglichkeitsprüfung wird Ihrer Meinung nach kein Hindernis darstellen?
Gattermann: Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher wird den Umfang bestimmen. Es ist ja an dem Standort schon ein Stadion gestanden, das macht die Sache leichter. Das Positive an dem Projekt ist unter anderem, dass die Anrainer einen Sportpark erhalten, das gibt es noch nirgends in dieser Form.

STANDARD: Lässt sich die österreichische Keuschheit, in Stadien keine rentablen Einkaufszentren oder Hotels zu bauen, aufrechterhalten?
Gattermann: Salzburgs Stadion steht fast auf der grünen Wiese. Wir haben nicht die Dichte der Urbanität wie in Amerika oder in Madrid oder Basel. Die Infrastruktur in den Stadien kommt mit der städtischen Verdichtung. Unsere Lage ist natürlich ein Glück, die Lebensqualität einer Stadt wird im Wesentlichen nach ihren Freiräumen definiert, deswegen liegt Zürich auch auf Nummer eins der Wohlfühlrangordnung. Wien lebt auch von seinen freien Flächen, der Postsportplatz hat nicht so funktioniert, also hat man ihn zugebaut. Das ist der falsche Weg.

STANDARD: Was sagen Sie zur Freudenau?
Gattermann: In allen anderen Ländern würde man so ein Jugendstiljuwel wie den Reitverein denkmalschützerisch pflegen. Ich halte die Investition in Ebreichsdorf, das Magna Racino, für einen Wahnsinn. Ich habe alle Achtung für Frank Stronach, aber ich wünschte, er hätte für Wien etwas getan. In Ebreichsdorf haben sie ungeheure Defizite, demnächst wird das Werkl dort kaputt und die Investition verloren sein.

STANDARD: Das Haus in Klagenfurt kostet rund 59, Münchens Allianz Arena 340 Millionen. Woher kommt der horrende Unterschied?
Gattermann: Das Münchner Stadion ist ein Kunstwerk, eine glänzende Idee. Jacques Herzog und Pierre de Meuron haben ja auch gesagt, dass der Entwurf seinerzeit in zwei Tagen fertig gewesen ist. In Klagenfurt hat Albert Wimmer, der ja ein Funktionalist ist, auch die beste Idee gehabt. Dort gibt es halt nur einen Mantel, in München hingegen wurde auch viel ausprobiert. In Österreich gibt es keine Geduld für experimentelle Architektur, schon gar nicht auf dem Fußballplatz.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die heimische Infrastruktur, stadion- und schulmäßig?
Gattermann: Wir haben zu wenige nahe Bewegungsräume, vor allem im Kindergarten-und Vorschulbereich. Konzepte wie die "Bewegte Schule" gehen in die richtige Richtung. Aber so gut die Käfige in Wien für die Burschen sein mögen, für die Mädchen gibt es gar nichts, das ist diskriminierend.

STANDARD: Wird Graz, wo das neue Stadion vom Ex-Sportlandesrat Hirschmann über den grünen Rasen gelobt wurde, zu Recht oder Unrecht als EM-Standort gemieden?
Gattermann: Das Stadion ist städtebaulicher Wahnsinn. Das Projekt war gut, aber es ist zerpflückt und zerstört worden. Es steht auf dem falschen Platz, das Stadion ist in sich ein Krampf.

STANDARD: Unsere Stadien werden vor allem, was Ihre Kapazität und Modernität betrifft, häufig kritisiert.
Gattermann: Der Vergleich Geldeinsatz zu Performance ist im Fußball erbärmlich, die Skifahrer machen das viel besser. Ich glaube, dass die Europameisterschaft 2008 punkto Stadien perfekt wird, aber die Organisation gibt mir zu denken. In Portugal bei der EM haben sie bei den Stadion sehr geblufft, aber die Stimmung und der Event waren perfekt gemacht. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 22. August 2005, Johann Skocek)

ZUR PERSON: DI Peter Gattermann (50) ist ledig, er arbeitete nach dem Studium in Architekturbüros bevor er ins Österreichische Institut für Schul- und Sportstättenplanung eintrat. Seit sechs Jahren ist der engagierte Architekt, der sich auch mit stadtplanerischen Fragen auseinander setzt, Leiter dieses Instituts. Er stand der Vergabe- kommission zum Neubau des Klagenfurter Stadions vor, die schließlich dem Projekt der Porr und Architekt Albert Wimmer (59 Millionen Euro) den Zuschlag erteilte.