Gaza/Wien – Der israelische Abzug aus dem Gazastreifen könnte laut Angaben der Weltbank der desolaten palästinensischen Wirtschaft weiter zusetzen: "Wenn Israel die Abriegelung des Gazastreifens nicht lockert, wird sich die Situation verschlimmern", sagte der für die Palästinensergebiete zuständige Weltbank-Ökonom Aniruddha Bonnerjee im Gespräch mit dem STANDARD.

Ohne solche Erleichterungen könnte auch die geplante Übergabe der rund 1100 israelischen Gewächshäuser an die Palästinenser, die eine der Haupteinnahmequellen der Siedler im Gazastreifen waren, wertlos sein, warnt Bonnerjee. Die Siedler konnten die Güter nach Israel vereinfacht ausführen, neue palästinensische Eigentümer der Gewächshäuser müssten dagegen akribische Sicherheitskontrollen passieren. Dadurch könnten laut Weltbank auch die 3000 bis 4000 Palästinenser, die in den Gewächshäusern beschäftigt waren, ihre Arbeit verlieren.

Scanner-Technologie

Nach dem derzeitigen System müssen palästinensische Händler ihre Waren vor dem Export nach Israel entladen und sie aus Sicherheitsgründen jenseits der Grenze erneut verladen. "Das dauert bis zu zwölf Stunden und kostet enorm viel Geld", erklärt Bonnerjee. Der Einsatz von Scanner-Technologie könnte die Sicherheitschecks massiv beschleunigen.

Auch ein Mitte August veröffentlichter Bericht des früheren Weltbankchefs James Wolfensohn, der im Auftrag des Nahostquartetts den Wiederaufbau in Gaza unterstützt, sieht in der Ankurbelung der palästinensischen Exportwirtschaft die größte Chance für einen Aufschwung in Gaza. Israel ist einer der Hauptimporteure palästinensischer Waren. Seit dem Ausbruch der zweiten Intifada vor fünf Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit im Gaza-Streifen auf 35 Prozent verdoppelt, das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf fiel um mehr als 30 Prozent.

Israel befürchtet hingegen einen massiven Anstieg des Warenschmuggels über die ägyptisch kontrollierte Grenze des Gazastreifens. Ein Austritt Israels aus der Zollunion mit den Palästinensern hängt deshalb als Drohung in der Luft. (DER STANDARD, Printausgabe 23. 8. 2005)