Besian, wer? Nur wirklich gut informierten Fußballfans in Österreich war der Name Besian Idrizaj bis Anfang vergangener Woche ein Begriff. Spieler, die in der zweiten Leistungsstufe sporadisch zum Einsatz kommen, fallen allenfalls regional, im konkreten Fall in Linz und also Oberösterreich auch medial auf. Die Kunde, dass der FC Liverpool, einer der traditionsreichsten Klubs aus der englischen Premier League und nebenbei regierender Champion Europas, den 17-jährigen Idrizaj vom LASK kaufen will, ist zwangsläufig eine aufregende.

Nun wird Idrizaj, dessen Familie aus Bosnien stammt, großes Talent zugebilligt, das er auch in sämtlichen Nachwuchsauswahlen Österreichs zeigte. Andererseits stellt sich angesichts der Träume des jungen Mannes, der noch diese Saison zumindest ein-, zweimal in der Ersten von Liverpool zum Einsatz kommen will, die Frage, ob die so genannten "Reds" keine Besseren haben. Haben sie schon, sehr viele sogar, doch verstehen sie unter Nachwuchsarbeit nicht nur die Förderung eigener Talente.

Alle großen europäischen Klubs sind ständig und weltweit auf der Suche nach Talenten im fraglichen Alter. Beobachtet wird bei internationalen Nachwuchsturnieren, oft nach freundlichen Hinweisen von Spielervermittlern, die schon bei 14-, 15- Jährigen ansetzen. In Probetrainings wird gesiebt, dann wird gekauft, für englische Marktverhältnisse um einen Pappenstiel. Sogar eine Million Euro sind da Peanuts. Liverpool hat diese Saison schon sieben Idrizajs gekauft. Erfüllt nur einer die Erwartungen, steigt also mittelfristig aus der Reserve in die Erste auf, hat sich der Aufwand mehr als rentiert. Die, die doch nicht entsprechen, sind meist schnell wieder dort, wo sie hergekommen sind. Um Erfahrungen reicher und mancher Illusion beraubt. Das ist der wohlfeile Preis für eine große Chance. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 23. August 2005)