Kabul - Drei Monate, von August bis Oktober, sind genug. Das österreichische Bundesheer wird sein 93 Soldaten starkes Kontingent aus Kunduz im Norden Afghanistans plangemäß Ende Oktober wieder abziehen, bekräftigte Verteidigungsminister Günther Platter (V) in Kabul im Gespräch mit der APA. Möglich wäre eine Rückkehr an den Hindukusch, wenn - eventuell im nächsten Frühjahr - die noch ausstehenden Distriktswahlen abgehalten werden.

Platter will in diesem Fall die Situation neu beurteilen. Den Wunsch nach einem stärkeren Engagements Österreichs in Afghanistan hat er bei einem zweitägigen Besuch in Kunduz und Kabul jedenfalls mehrmals vernommen, am prominentesten von Staatspräsident Hamid Karzai.

Die Einsatzdauer von drei Monaten rund um die Parlamentswahl am 18. September sei ein politischer Kompromiss gewesen, sagte der Minister. Auf diesem Weg sei im Hauptausschuss des Nationalrats eine einhellige Zustimmung erreicht worden.

Dass Österreich damit zu wenig internationale Solidarität zeige, lässt der Minister nicht gelten. Schwerpunkt der Auslandsaktivitäten sei der Balkan. Dort komme mit der Übernahme einer Task Force im Norden Bosniens im Dezember eine neue Aufgabe auf Österreich zu.

Als "absurd" wies der Minister Befürchtungen zurück, der Afghanistan-Einsatz könnte Österreich zum Terror-Ziel machen. Immerhin seien an der "International Security Assistance Force" ISAF 23 der 25 EU-Staaten beteiligt. "Aus diesem Einsatz abzuleiten, dass Österreich ein primäres Terror-Ziel wird, ist absurd."

"Friedensbotschafter"

Zudem würden die Soldaten von der Bevölkerung in Afghanistan sehr positiv gesehen. Nach 25 Jahren Krieg hätten die Menschen Sehnsucht nach Ruhe, die Soldaten würden daher als "Friedensbotschafter" gesehen. Besonders beeindruckt habe ihn während seiner Reise, auf der er vom Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa begleitet wurde, wie freundlich die Kinder den Soldaten zugewinkt haben.

Platter hofft denn auch, dass den österreichischen Soldaten in Kunduz große Zwischenfälle erspart bleiben. Ausschließen könne man nichts, nach derzeitigem Stand sei "mit großer Wahrscheinlichkeit" rund um die Wahl aber nicht mit Ausschreitungen in Kunduz zu rechnen.

Kein Problem hat der Minister damit, dass der Kampf gegen den Drogenanbau nicht zur Aufgabe seiner Truppe gehört. Angesichts der Tatsache, dass 90 Prozent des Heroins in Europa aus Afghanistan stammen, wäre es zwar der falsche Weg, die Augen vor diesem Problem zu verschließen, sagte er.

Jedoch: "Auf militärischer Basis hier mit robusten Möglichkeiten Drogenfelder zu vernichten, würde die sicherheitspolitische Lage in Afghanistan drastisch ändern, zumal doch mehr als die Hälfte der Bevölkerung vom Drogenhandel lebt." Nötig wäre, Alternativen in der Landwirtschaft zu schaffen und den Menschen andere Zukunftsperspektiven zu geben. (APA)