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Foto: Archiv
Im April kündigte das Grafik-Powerhaus Adobe den Kauf des Webdesignspezialisten Macromedia - der Marktführer bei interaktiver Webgestaltung ist - an, seither prüft die US-Wettbewerbsbehörde. "Wir haben immer gesagt, dass wir ein Closing des Kaufs im Herbst erwarten, damit liegen wir weiterhin in unserem Zeitplan", erklärt Adobe-Präsident Shantanu Narayen im Gespräch mit dem STANDARD.

Unterstützung in der Kommunikation

"Unser Unternehmensziel ist es, Menschen und Organisationen in ihrer Kommunikation zu unterstützen, wie wir das durch unser PDF-Format machen. Die Kombination mit Macromedia erweitert diese Plattform, Flash ist bei animierten Darstellungen das, was PDF für Dokumente ist - darum halten wir diese Übernahme für einen strategisch sehr wichtigen Schritt", begründet Narayen - "nicht nur für die PC-Welt, sondern für mobile Geräte. Aus PDF und Flash können wir eine kombinierte Plattform zu Übermittlung aller Arten von Content bauen."

Hürde Freehand?

Was die Übernahme behindern oder zu Auflagen führen könnte, ist vor allem Macromedias Grafikprogramm "Freehand", das dem Adobe-Programm "Illustrator" weit gehend entspricht. Er glaube nicht, dass die Produkte von Adobe und Macromedia starke Überschneidungen hätten, Adobe sei auf die "Design-Community" und den "Knowledge Workspace" - Unternehmenskommunikation - spezialisiert, Macromedia auf interaktives Design, sagt Narayen. Auch für Illustrator und Freehand gebe es sinnvolle getrennte Entwicklungsperspektiven, obwohl er "natürlich die laufenden Wettbewerbsverfahren nicht kommentieren kann".

Stärkung erwartet sich Narayen für den intensiver werdenden Wettbewerb mit Microsoft. Lange Zeit hielten sich die beiden Softwareunternehmen voneinander fern, aber mit der Ausbreitung von PDF im Unternehmensbereich und Bildbearbeitung für den Amateurmarkt beginnen sich die Pfade zu kreuzen; für beide Bereiche hat Microsoft neue Produkte angekündigt bzw. schon auf den Markt gebracht. Und die neuen Videofähigkeiten von Flash machen auch dem Windows-Media-Player Konkurrenz.

Aufpassen

"Natürlich muss man genau aufpassen darauf, was Microsoft macht, und ich beobachte das sehr genau", sagt Narayen. "Als kombiniertes Unternehmen sind wir für diese Konkurrenz besser aufgestellt." Adobe habe eine lange Tradition der Innovation und viele Märkte - wie Desktop Pub- lishing dank der Druckersprache Postscript, oder Bildbearbeitung durch Photoshop - de facto erfunden; "wir werden auch künftig neue Märkte schaffen", sieht er sich für die Konkurrenz mit Redmond gut aufgestellt. Die künftigen Schwerpunkte? "Der Unternehmensbereich - damit Firmen innerhalb und außerhalb ihrer Firewalls effizienter kommunizieren können. Video ist ein neuer Bereich, in dem wir uns stark engagieren. Dazu kommen immer mehr Produkte für mobile Geräte und Nicht-PCs." (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 24. August 2005)