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Berlin - Lange Zeit war sie immer mindestens fünf Jahre jünger, als der Geburtsschein auswies, erst spät hat sie sich geoutet: Brigitte Mira, Balletteuse, Soubrette, Schauspielerin, Kabarettistin, Sängerin und fünffache Ehefrau wird 90 Jahre alt. Am 20. April feierte die in Hamburg geborene Künstlerin in Berlin ihren runden Geburtstag, eine Woche später können ihre Fans das quirlige Multitalent in der ARD in ihrem Geburtstagsfilm "Ein lasterhaftes Pärchen" bewundern. Sie freut sich auf den Film und hat nur eine "einzige Bitte an den Lieben Gott: dass es ein Erfolg wird". So lange habe sie über ihr wahres Alter geschwindelt, dass sie sich manchmal selbst nicht mehr sicher gewesen sei, gibt sie heute zu. Seit 70 Jahren tanzt, singt und spielt die Mira auf den Brettern, die ihr von Anfang an die Welt bedeuteten. Musikpädagogin hätte sie nach den Vorstellungen ihres Vaters, eines aus Russland eingewanderten Konzertpianisten, werden sollen. Doch "Biggi", wie ihre Freunde sie nennen, reizt die Bühne: Sie nimmt Gesangs- und Ballettuntericht und debütiert 19-jährig in Köln als "Esmeralda" in Smetanas "Die verkaufte Braut". Ein Jahr später, 1930, bekommt sie ihr erstes Engagement in Bremerhaven. Theaterwelt Dramen, Operetten, Komödien, Weihnachtsmärchen - auf den Bühnen von Kiel bis Graz spielt die Mira voller Begeisterung. Später gesteht sie: "Das Schönste war, dass ich neben all den Stars der damaligen Zeit, Fritzi Massari, Richard Tauber, Leo Slezak und Lizzi Waldmüller - meinen Göttern - spielen durfte". 1941 landet sie in Berlin im Theater am Schiffbauerdamm. Hier entdeckt Willi Schäffer ihr komisches Talent und holt sie an sein legendäres "Kabarett der Komiker". Diesem Genre bleibt sie neben allen anderen Engagements treu: Sie brilliert in Günter Neumanns "Insulanern", geht mit dem Kabarett "Die fröhlichen Spötter" auf Tournee und feiert schließlich seit 1997 als eine der "Drei alten Schachteln" zusammen mit Helen Vita und Evelyn Künneke Riesenerfolge. In den 50er Jahren entdeckt der Film die kleine Frau mit den großen Talenten, und auch das neue Medium Fernsehen interessiert sich für die "Soubrette vom Dienst", wie die Mira sich selbst bezeichnet. Einer der Höhepunkte ihrer TV-Karriere wird der Serien-Dauerbrenner "Drei Damen vom Grill", 1977 bis 1991. Die große Wende in ihrem künstlerischen Leben beginnt 1972, als sie am Bochumer Schauspielhaus den Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen lernt. In seinem sozialkritischen Film "Angst essen Seele auf" gibt er ihr die erste einer Reihe von Hauptrollen: die verwitwete Putzfrau Emmi Kurowski, die einen viel jüngeren arabischen Gastarbeiter heiratet. Die Anfeindungen der Gesellschaft, denen Emmi ausgesetzt ist, kennt auch Brigitte: In ihrer letzten von insgesamt fünf Ehen ist sie mit dem italo-amerikanischen Regisseur Frank Guerente verheiratet, und der ist 23 Jahre jünger als sie. Er stirbt 1983. Für ihre Rolle als Emmi erhält sie die Mira 1974 in Cannes ihren ersten Preis: Das Filmband in Gold. Diese Trophäe bekommt sie 1989 noch einmal für ihr schauspielerisches Gesamtwerk. 1981 wird sie mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und 1996 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin geehrt. Als vorläufig letzte Auszeichnung bekam sie im Februar die Goldene Ehrenkamera Berlin. "Bis zur letzten Sekunde auf der Bühne zu stehen", das wünscht sich die Mira für ihre Zukunft. (APA/AP)