New York/London - Der Ölpreis hat am Mittwoch ein neues Rekordniveau erreicht. Bis kurz vor 22 Uhr kletterte der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte US-Leichtöl auf über 67,50 Dollar. Die Schwelle von 67 Dollar war bereits Mitte August erstmals seit der Einführung dieser Ölsorte im New Yorker Handel 1983 überschritten worden; das Barrel kostete damals am 12. August 67,10 Dollar.

Die Händler führen den neuerlichen Anstieg des Ölpreises auf die stärker als erwartet schrumpfenden Benzinvorräte in den USA und den Tropensturm Katrina zurück, der sich dem Golf vom Mexiko nähert.

Der Ölpreis war im Verlauf des Tages auf eine Berg- und Talfahrt gegangen. Trotz der geringeren Benzinreserven kostete ein Barrel (159 Liter) am Nachmittag 65,55 Dollar und damit 16 Cent weniger als bei Handelsschluss am Vortag. Zwischenzeitlich stieg Leichtöl in New Yorker aber dann am Abend auf bis zu 67,52 Dollar an.

Auch in London war der Preis vorübergehend unter den des Vortages gerutscht. Am Abend (21:52 Uhr) notierte aber auch die für Europa maßgebliche Nordsee-Sorte Brent mit 66,01 Dollar wieder nahe ihrem bisherigen Rekordhoch von 66,85 Dollar und damit 1,35 Dollar über dem Wert zu Handelsschluss am Dienstag.

Vorräte gestiegen

Nach Angaben des US-Energieministeriums sind die Rohölvorräte in der abgelaufenen Woche um 1,8 Millionen Barrel auf 322,9 Millionen Barrel gestiegen. Die Benzinvorräte gingen hingegen um 3,2 Millionen Barrel auf 194,9 Millionen Barrel zurück, während die Lagerbestände an Destillaten (Heizöl und Diesel) um 1,4 Millionen auf 132,5 Millionen Barrel kletterten.

Sorgen bereiteten am Mittwoch drohende Stürme im Golf von Mexiko, einem wichtigen Fördergebiet. Sollte sich dort tatsächlich ein Hurrikan entwickeln und an den Ölinstallationen Schäden anrichten, hielten Marktbeobachter einen Anstieg der Preise auf 70 Dollar je Barrel für möglich. Zwei Stürme und zwei Hurrikane haben in diesem Jahr in der Region bereits Produktionsunterbrechungen verursacht.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) war am Dienstag fast unverändert geblieben. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Mittwoch in Wien kostete das Barrel im Durchschnitt 58,15 Dollar, 5 Cent mehr als am Montag. Der so genannte OPEC-Korbpreis basiert auf elf Sorten des Kartells.

In Deutschland gehen Ölverbrauch und Benzinverbrauch seit Jahren zurück. Ein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Preisniveau geht aus den Statistiken allerdings nicht hervor. In den ersten sieben Monaten sank der Benzinverbrauch gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fünf Prozent. Das ist mehr als die minus 3,3 Prozent, die der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) für das Gesamtjahr erwartet.

Mit einem Jahresabsatz von zuletzt 114 Millionen Tonnen verbraucht Deutschland nicht mehr Öl als in den achtziger und deutlich weniger als in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. (APA/dpa)