Ex-World-Vision-Chefin Martina Taurer-Krones

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Wien - Die untergetauchte ehemalige Geschäftsführerin von World Vision Österreich, Martina Taurer-Krones, will sich angeblich in den kommenden Tagen der Justiz stellen. Das erklärte ihr Anwalt Christof Dunst am Donnerstag unter Berufung auf ein Telefonat mit der untergetauchten 44-Jährigen gegenüber der APA. Das Wiener Strafandesgericht weist unterdessen die Behauptung der ehemaligen Spendensammlerin, sie habe nichts von der Ablehnung ihrer Bitte um Strafaufschub erfahren, als "Herumgerede" zurück.

"Ihre diesbezüglichen Angaben sind völlig falsch", betonte Gerichtssprecher Friedrich Forsthuber auf Anfrage der APA. Ihr Verteidiger habe im Jänner 2005 die Aufforderung zum Strafantritt erhalten und diese Taurer-Krones unverzüglich zugestellt. Eine darauf folgende Bitte um einen Strafaufschub "aus familiären Gründen" wurde seitens des Justizministeriums binnen weniger Tage abgelehnt.

"Damit musste ihr klar sein, dass sie die Strafe anzutreten hat", erläuterte Forsthuber, zumal Taurer-Krones ein abgeschlossenes Jus-Studium vorweisen kann und folglich wissen dürfte, dass eine neuerliche Aufforderung, die Strafe anzutreten, nicht Usus ist.

Anwalt bestätigte

Der Anwalt der 44-Jährigen bestätigte die Darstellung des Straflandesgerichts. Taurer-Krones habe von ihm selbstverständlich die Gerichtspost erhalten. "Mit dem negativen Beschluss habe ich meine Aufgabe als erledigt angesehen", sagte Dunst. Es sei nicht seine Aufgabe, "meine Mandanten an der Hand ins Gefängnis zu führen". Er habe Taurer-Krones aber deutlich klar gemacht, "dass eine rechtskräftige Strafe irgendwann anzutreten ist".

Wegen privater Verwendung von Spendengeldern war die frühere World Vision-Chefin Ende September 2004 zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Seit 8. August wird mit ihr per Haftbefehl gesucht. Laut ihrem Rechtsvertreter soll sie sich derzeit in geschäftlichen Angelegenheiten in Tirol oder Vorarlberg aufhalten. Die wegen Veruntreuung verurteilte Juristin soll dem Vernehmen nach dort ausgerechnet als Vermögensverwalterin tätig sein.

Haftbefehl auf Europa ausgedehnt

Da die Justiz nicht überzeugt ist, dass sie sich zur Verbüßung ihrer Freiheitsstrafe in der Justizanstalt Wien-Josefstadt einfinden wird, hat das Wiener Landesgericht am Donnerstag nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft den Haftbefehl auf den gesamten europäischen Raum ausgedehnt. Gerüchte, Taurer-Krones habe beim Bundespräsidenten ein Gnadengesuch eingereicht, wurden seitens ihres Anwalts und des Gerichtssprechers dementiert. (APA)