Derrick de Kerckhove

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Am Montag, dem fünften Festivaltag, müssen sich die Besucher der "Conferences" im Brucknerhaus ihre Energien gut einteilen: Ganze zweieinhalb Stunden, ein rares Privileg bei der Ars Electronica, hat der Kanadier Derrick de Kerckhove, Direktor des McLuhan Program in Culture & Technology, zur Verfügung, um über das Werk des Medientheoretikers Marshall McLuhans zu referieren.

Worin besteht McLuhans Vermächtnis? Und wieso ist sein Werk heute lesenswerter denn je? Zur wohl zentralsten Theorie Marshall McLuhans, dessen Assistent, Übersetzer und Co-Autor de Kerckhove mehr als zehn Jahre lang war, gehört die These "The medium ist the message". In Form und Wirkung, nicht in der Botschaft, sieht McLuhan die Relevanz des Mediums, in den Veränderungen von Medientechnologien die Ursache für soziale Veränderungen. Seine Bücher Die Gutenberg-Galaxis (1962) und Magische Kanäle (1964), Pflichtlektüre aller Publizistikstudenten, wurden zu Bestsellern und deren Autor bald so populär, dass er es 1967 bis auf das Cover von Newsweek schaffte.

Kurz vor seinem Tod 1980 veröffentlichte er sein letztes Buch The Global Village. Das Internet lag noch in den Kinderschuhen. Erst 15 Jahre später, als das Internet seine rasante Entwicklung nahm, sollte es in deutscher Sprache vorliegen. Der Vortrag de Kerckhoves reiht sich ein in die verschiedenen Konferenzen zu den Themen "Digital Communities", "Net Vision" oder "Digitale Archive". Was etwa sind die Antriebsfaktoren der Vision eines demokratischen, offenen Netzes?

Karel Dudesek (UK), Casey Reas und Benjamin Fry (US), Yugo Nakamura (JP) und die österreichische Künstlergruppe ubermorgen beschäftigen sich mit der Frage, ob die Freiheit der Codes für soziale Innovationen relevant ist. Oder: Welche Beiträge leisten digitale Gemeinschaften zur Kommunikationskultur? Welche Bedürfnissen und Interessen Netzcommunities prägen, wird unter anderem am Beispiel von akshaya.net, einem indischen Internet- und Infrastrukturprojekt, das dieses Jahr die Goldene Nica gewonnen hat, diskutiert. (kafe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.8.2005)