Washington - Schon seit Wochen plagt sie den US-Präsidenten, die trauernde Soldatenmutter und glühende Irakkriegsgegnerin Cindy Sheehan. Bilder von ihrer Protestaktion in der Nähe der texanischen Ranch von George W. Bush beherrschen hartnäckig die Medien und haben die US-Friedensbewegung wiederbelebt. Jetzt hat Bush eine Gegenoffensive zur Verteidigung seiner Irak-Politik gestartet. Seine Waffe: Tammy Pruett, stolze Soldatenmutter und glühende Patriotin.

Sie soll dem im Irak-Umfragetief steckenden Präsidenten helfen, wieder an Boden zu gewinnen. Und so hat nun das "Duell" der Mütter begonnen. Während Cindy Sheehan nach kurzer Unterbrechung vergangenen Mittwoch wieder vor die Bush-Ranch zurückkehrte, präsentierte der Präsident in Boise, Idaho, Tammy Pruett. Vier ihrer Söhne sind im Irak stationiert, ein weiterer Sohn und ihr Mann kehrten jüngst vom Irak zurück. Vor einer Woche bat das Weiße Haus Pruett, dabei zu sein, wenn Bush in Boise eine Rede zu seiner Irak-Politik hält.

Sie kam, und Bush sog den Honig daraus: "Ich weiß, dass wenn einem meiner Buben etwas zustößt, sie diese Welt im Zuge eines Einsatzes verlassen würden, von dessen Sinn sie überzeugt waren," zitierte Bush Pruett. "Amerika verdankt seine Freiheit Familien wie den Pruetts", sagte der Präsident, woraufhin im Saal Jubel ausbrach. Später traf sich Bush mit Angehörigen, die Familienmitglieder im Irak verloren haben, keiner von ihnen ein Kriegsgegner. "Es wurde geweint", hieß es später.

Tränen gab es auch bei Sheehans Rückkehr in das Camp vor der Bush-Ranch. Es haben sich bereits andere Mütter, die ihr Schicksal teilen, zu ihr gesellt und tausende Menschen haben in Mahnwachen ihre Solidarität bekundet. Am Straßenrand vor der Ranch gibt es aber auch ein Gegenlager von Bush-Unterstützern. Auch sie haben nun ihre Heldin: Die andere Soldatenmutter. (dpa, Gabriele Chwallek, DER STANDARD, Print, 27./28.8.2005)