Bregenz - Am sechsten Tag nach der Katastrophennacht mit den verheerenden Überschwemmungen ist die Liste der Straßensperren in Vorarlberg wieder ein Stückchen kleiner geworden. So sind im Bregenzerwald wieder alle Verbindungen offen, zum Teil allerdings mit lokalen Einschränkungen bzw. Behinderungen. Die L 200 und in Folge durch die Lechtalbundesstraße stellten auch am Sonntag noch immer die einzige Landverbindung zwischen Vorarlberg und Tirol dar.

Gesperrt blieben bis auf weiteres die Transitroute über die S 16 zwischen Bludenz und Landeck sowie die Arlbergpassstraße. Das Klostertal und die Arlbergorte Zürs und Lech waren weiterhin nur für Einsatzkräfte und Versorgungsfahrten erreichbar. Über das Montafon und die Silvretta-Hochalpenstraße konnten am Sonntag zwar Pkw bis nach Galtür und Ischgl fahren, doch dort ist wegen der Verwüstungen im Paznauntal Endstation.

Aussiedlungen im Schildried

Die Verbindung in das Bergdorf Gargellen, die Landesstraßen zwischen Schruns und Silbertal sowie zwischen Frastanz und Göfis blieben weiter gesperrt. Für die Zufahrt nach Silbertal begannen Bundesheer-Pioniere am Sonntag mit dem Bau einer Behelfsbrücke. Bei Göfis im so genannten Schildried, wo die Ill erneut über die Ufer getreten war, wird es vermutlich zu Aussiedlungen mehrerer Familien kommen. Diese sollen aber die Ausnahme bleiben, erklärte Wasserbau-Landesrat Dieter Egger (F) am Sonntag in einem Radio-Interview: "Grundsätzlich wollen wir die besiedelten Gebiete halten", aber eine der wesentlichen Erkenntnisse aus der Katastrophe sei, "dass wir den Flüssen wieder mehr Raum geben müssen".

Die sechs Hubschrauber des Bundesheers und Innenministeriums standen auch am Wochenende laufend im Einsatz. Am Samstag wurden zum Urlauberschichtwechsel 140 Touristen und Hilfskräfte beispielsweise aus Gargellen ausgeflogen. Vor allem wurden aber Lebensmittel und andere dringend benötigte Hilfsmittel in die noch von der Außenwelt abgeschlossenen Gebiete geflogen. Nicht nur die Menschen auf fast 20 isolierten Alpen müssen versorgt werden, sondern auch das Vieh benötigt zusätzliches Kraftfutter, da Weideflächen zum Teil zerstört wurden. Der dem Jahreszyklus entsprechende Alpabtrieb der Tiere Anfangs September ist in vielen Fällen fraglich, da zahlreiche Wege zerstört sind.

Unzählige Leute hatten sich bei verschiedenen Anlaufstellen gemeldet, um am Wochenende in den betroffenen Gemeinden zu helfen. Allerdings klagten Behörden und Einsatzkräfte auch über wachsende Behinderungen durch "Katastrophentourismus".(APA)