Auf die letzten 14 Tage kommt es an. In den letzten zwei Wochen werde sich alles entscheiden. So sprach der deutsche Kanzler Gerhard Schröder an diesem Wochenende. Sein demonstrativ zur Schau gestellter Optimismus ist nachvollziehbar. Er kann ja schlecht sagen: Leute, das schaffen wir ohnehin nicht mehr. Lasst mal gut sein, ich geh auf Urlaub. Doch gerade an diesem Wochenende zeigte sich, wie sehr der Kanzler von zwei Seiten angegriffen wird, wie eng es in seinem Schraubstock geworden ist.

In Dortmund feierte die CDU eine Krönungsmesse für ihre Kanzlerkandidatin. Die Prominenz marschierte beim Parteitag auf, um sich noch mehr Mut für den 18. September zu machen. Vergessen sollte sein, dass es die Union selbst angesichts eines greifbaren Wahlsiegs nicht einfach nicht schafft, dem Erfolg abträgliche Debatten zu unterlassen. So wird etwa Merkels radikaler Steuerreformer Paul Kirchhof von einigen Ministerpräsidenten schon genussvoll zerlegt. Sie wollen ihren Wählern den Verzicht auf Steuervergünstigungen eigentlich nicht zumuten.

Noch weniger kontroverse Debatten dürfte sich eigentlich die Linkspartei erlauben. Der erste Höhenflug ist vorbei, das Bündnis aus PDS und WASG ist in den Umfragen deutlich gesunken. Daran hat West-Import Oskar Lafontaine keinen geringen Anteil. Die Diskussion um sein angebliches Luxusleben hat viele Genossen doch sehr verstört. Aber in den Bundestag wird er es mit seinem Freund Gregor Gysi schon noch schaffen. Dass es wirklich jemals zur Fusion der linken Ost- und West-Kräfte kommt und dabei eine neue Linkspartei herauskommt, darf man jetzt schon bezweifeln. Aber dass Lafontaines Karriere bei den Linken möglicherweise auch bald wieder beendet sein könnte, ist für Schröder wahrscheinlich nur ein sehr schwacher Trost. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.8.2005)