Bagdad - Ein irakischer Mitarbeiter von Reuters TV (35) ist am Montag in Bagdad zu Grabe getragen worden. Der Tontechniker Waleed Khaled war in der Hauptstadt von einem US-Soldaten am Sonntag erschossen worden. Die Nachrichtenagentur Reuters forderte unterdessen die sofortige Freilassung des 24-jährigen Kollegen des Getöteten. Der Kameramann war am Vortag nach Angaben der irakischen Polizei angeschossen worden und wird seither gefangen gehalten.

Auch mehr als 24 Stunden nach seiner Verwundung verweigerte das US-Militär eine Auskunft über den Aufenthaltsort des Kameramanns Haider Kadhem. Ein Armeesprecher sagte lediglich: "Er wird von unserem Ermittlungsoffizier befragt." In seinen Aussagen gebe es Widersprüche und Offiziere untersuchten "Ereignisse, die zu dem Vorfall geführt haben." Demnach wurde Kadhem nur "oberflächlich" am Rücken verletzt.

"Unverzügliche Freilassung"

"Reuters fordert die unverzügliche Freilassung von Haider Kadhem", erklärte der Chefredakteur der Agentur, David Schlesinger, "Wir können nicht verstehen, welchen Grund es für seine fortdauernde Inhaftierung geben kann, mehr als einen Tag, nachdem er das unschuldige Opfer eines Zwischenfalls wurde, bei dem sein Kollege getötet wurde."

Die internationale Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (RSF) nannte die Schüsse auf die beiden Journalisten "extrem beunruhigend". Nach Angaben der Organisation war Khaled der 66. Medienvertreter, der seit der Invasion im Irak 2003 getötet wurde. Khaled war ein erfahrener Irak-Berichterstatter. Er arbeitete nach Angaben der Nachrichtenagentur bereits seit zwei Jahren für das Reuters-Büro in Bagdad.

Neben Kadhem halten die US-Truppen mit Ali al-Mashhadani seit drei Wochen einen weiteren Reuters-Kameramann ohne Anklage im Gefängnis Abu Ghraib in Bagdad fest. Nach Angaben eines Armeesprechers sollte in seinem Fall wahrscheinlich noch am Montag ein Gerichtstermin an einem geheimen Ort stattfinden. Die Armee verweigert seit der Festnahme Mashhadanis jeden Zugang zu ihm. Auch zu dem Gerichtstermin ist kein Anwalt oder andere Interessenvertreter zugelassen. (APA/Reuters/dpa)