Innsbruck - Der Prozess gegen den bekannten Tiroler Abfallentsorger Karl Freudenthaler wegen des Verdachts des schweren gewerbsmäßigen Betruges ist am Montag am Landesgericht in Innsbruck in die erste Runde gegangen. Ein Urteil wurde für Dienstagabend erwartet.

Neben dem Inhaber der Firma muss sich auch der Chefchemiker vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Ingrid Brandstätter verantworten. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, im Zeitraum vom 1. Jänner 2002 bis zum 31. Dezember 2003 "feste fett- und ölverschmierte Betriebsmittel" mit "gefährlichen Abfallarten" - darunter Produktionsabfälle der Arzneimittelerzeugung oder Pflanzenschutzmittel - vermischt und diese ohne die entsprechende Deklarierung weitergeheben zu haben. Es handle sich dabei um eine Menge von "zumindest 326 Tonnen der gefährlichen Abfälle", hieß es in der Anklageschrift. Ein oberösterreichischer Abfallentsorger sei dadurch getäuscht und um rund 71.211 Euro geschädigt worden.

Probelieferungen

Die Verteidigung wies darauf hin, dass das Unternehmen nie etwas verborgen habe. Die Lieferungen seien auch während der Ermittlungen weitergegangen. Man habe mit dem Abnehmer Vereinbarungen über das Gemisch getroffen und auch Probelieferungen durchgeführt. Diese seien nicht beanstandet worden. Die Schaden betrage etwa 0,4 Prozent des Umsatzes der Firma. Zudem seien 44,42 Prozent des Abfalls zugemischt worden. Diese Menge könne nicht "untergejubelt" werden. Jeder Abfallentsorger sei zur Eingangskontrollen verpflichtet. Selbst bei Sichtkontrollen seien die beigemischten Abfälle erkennbar.

Reklamationen

Im Jahr 2004 habe es Reklamationen von einem Abnehmer in Wien gegeben. Dabei waren die Abfälle mit Altmedikamenten durchsetzt gewesen. Freudenthaler erklärte, dass Fehlwürfe möglich seien. Daher habe man den vom Abnehmer geforderten Preis bezahlt, ohne auf die getroffenen Vereinbarungen über das Abfallgemisch zu verweisen. Was dem Abfallgemisch zugeführt worden sei, habe der Chemiker entschieden. Freudenthaler selbst habe die Arbeitsanweisungen lediglich freigegeben.

Die Richterin wies darauf hin, dass die Abnehmer angegeben hätten, nicht über die Mischung informiert worden zu sein. Der betreffende Zeuge habe schon mehrmals seine Meinung geändert, hatte die Verteidigung bereits zuvor kritisiert. Er soll am Nachmittag befragt werden. Im Laufe der beiden Prozesstage sollen insgesamt neun Zeugen gehört werden.

Zeugenaussagen belastend

Belastend für die beiden Angeklagten war die Zeugenaussage vom Geschäftsführer des oberösterreichischen Abfallentsorgers. Es hätten mehrere Telefonate mit Freudenthaler stattgefunden, bei denen über den Preis und die Konditionen gesprochen worden sei. Die Zusammensetzung sei aber "nie inhaltlich so besprochen worden", wie in der Arbeitsanweisung von Freudenthaler. Beide Angeklagten hatten zuvor ausgesagt, dass die Zusammensetzung vereinbart gewesen sei.

Der Zeuge führte weiters aus, dass es Probelieferungen gegeben habe. Diese seien kontrolliert worden, und sie seien nicht beanstandet worden. Es habe bei rund 160 Lieferungen der Firma Freudenthaler nur einmal eine Reklamation gegeben. Dabei seien Medikamente beigemischt gewesen. Der oberösterreichische Abfallentsorger war davon ausgegangen, dass es sich um einen Fehlwurf gehandelt habe. Daher habe er die Kontrollen der Lieferungen nicht geändert. Wenn größere Mengen der betroffenen Abfallsorten untergemischt worden wären, so wäre dies bei den üblichen Sichtkontrollen aufgefallen.

Dem oberösterreichischen Abfallentsorger zufolge sei es nötig, dass die unterschiedlichen Abfälle in einem Gemisch einzeln deklariert werden müssten, außer die Gefahren seien ähnlich. Denn durch das Vermischen würden sich die Eigenschaften des Materials ändern.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Ob es zu einem Urteil kommt, konnte die vorsitzende Richterin vorerst noch nicht sagen. (APA)

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