Optisches Instrument, Laborgerät, Designobjekt oder Schmuckstück? Egal! Jedenfalls von Peter Skubic.

Foto: KHK
Krems - Letztendlich ist es völlig nebensächlich, ob man sich Peter Skubics Objekten nähert, als wären es Schmuckstücke, so, als wären die hochglanzpolierten Metallkonstruktionen Designstücke, oder so, als wären es völlig autonome Kunstwerke - kleine bis mittelgroße Skulpturen. Und es ist auch völlig nebensächlich, welchen der jeweiligen Kategorie entsprechenden Ballast an Geschichte man der Objekterfahrung voranstellt. Die Broschen, Ringe und Objekte könnten ebenso gut als Architekturmodelle stehen. Oder: Als anschauliche Modelle zu philosophischen Überlegungen.

Kernthematik bleibt stets die Spiegelung, die Umkehrung der Wirklichkeit, das Unsichtbare, bzw. das irritierende Moment, die Realität in kleinste Einheiten zerstückelt serviert zu bekommen. Peter Skubic: "Irritation ist erwünscht, weil sie die Aufmerksamkeit erhöht, die Neugierde provoziert. Zweimal minus ergibt plus, zweimal Spiegelung ist wieder optische Realität aber vielleicht unglaubwürdig - das Spiegelkabinett des Magister Skubic. Spiegelungen sind es allemal, Spiegelungen gesellschaftlicher Vorgänge in Schmuck umgesetzt, Spiegelungen von Meinungen, Spiegelungen von Realität oder eben Spiegelungen von Spiegeln. Spiegel sind unsichtbar. Kein Mensch hat je einen Spiegel gesehen. Spiegel ist im Grunde nur denkbar - ein schöner Gedanke, eine spiegelglatte Idee."

Peter Skubic ist heuer 70 geworden. Quer durch all seine Werkphasen ist der gelernte Goldschmied einem Grundsatz treu geblieben: "Schmuck kann man tragen, man muss aber nicht."

Einmal erinnern seine Objekte - berühmt jenes aus 1975, das einem Ritualwagen en miniature gleicht, und "nur" als Behältnis für ein unter der Haut des Besitzers implantiertes Metallteil dient - an Gerätschaften zur Anwendung im Rahmen unbestimmter kultischer Handlungen, dann wieder gemahnen die penibel ausgearbeiteten Ziergegenstände an optische Instrumente oder Messgeräte. Manchmal auch stellen sie einfach nur die Forderung an den Betrachter, ein Rätsel zu lösen, ihre Konstruktion zu durchschauen. Derart kann man auch versuchen, Peter Skubics (Entwurfs-)Zeichnungen als Codes zu verstehen, und folglich in den realisierten Objekten nach einer Botschaft suchen, die möglicherweise zweckdienlich ist - oder auch nicht.

Jedenfalls bieten die fragilen Objekte, deren Flächen oft von einem Gewirr aus Stahldrähten scheinbar labil, improvisiert, verrückbar zusammengehalten werden, wunderbare Gelegenheiten, um "hinter die Wirklichkeit" zu sehen, ins Jenseits der unendlich vielen Oberflächen der Dingwelt. (DER STANDARD, Printausgabe, 31.08.2005)