Das Mädchen Eleonore war vielleicht vom Teufel, jedenfalls aber von einem Poltergeist besessen, Telepathie ist möglicherweise machbar, und überhaupt: Ist "Ötzi" verflucht? In der dreiteiligen ORF-Reihe "Mystery", zu sehen ab diesem Freitag, feiern Spekulationen und Schauermärchen fröhliche Urständ'. Resultat ist eine Produktion, die, mit einer Prise nötigen skurrilen Humors betrachtet, durchaus amüsant sein könnte. Leider firmiert sie aber als "Reportage" und nimmt sich furchtbar ernst.

Die junge Rumänin Eleonore galt in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als "Poltergeistmädchen" und wurde in ganz Europa als Kuriosum herumgereicht. Noch heute wissen frühere Nachbarn und Verwandte Schauriges zu berichten. "Mystery" lässt volkstümlichen Aberglauben unwidersprochen stehen und verbrämt ihn mit nachgestellten, betont verwackelten Aufnahmen. Als Experte kommt der Parapsychologe Peter Mulacz zu Wort: Es handle sich um einen "der wichtigsten Spukfälle" des 20. Jahrhunderts.

Weitere Beiträge widmen sich der Telepathie, deren mögliche Grundlagen auch von Uni-Wissenschaftern erforscht werden, sowie der Alpen-Mumie Ötzi: Sechs Menschen, die seit seinem Auftauchen im Jahr 1991 "mit ihm zu tun gehabt haben", sind tot. Ein Fluch, raunt es allerorten, auch in "Mystery": "Ist am Fluch der Mumie vielleicht doch etwas Wahres dran?" Nein, meint Alpinist Reinhold Messner: "Ich glaube an diesen Mythos in keiner Weise."

"Rächt sich die Eismumie"

"Mystery" aber lässt nicht locker: "Rächt sich die Eismumie an den Menschen, die ihre Totenruhe gestört haben?" Dazu vertritt der Plasma- und Paraphysiker Friedbert Karger die These, dass nach dem Ableben eines Menschen "die Seele oder der Geist" in einer "feinstofflichen Ebene" weiter existiert und auch in unseren Breiten etwas "beeinflussen" kann.

Reichlich affirmativ

Erklärungsversuche für unerklärliche Phänomene sind ein legitimes Unterfangen, und nicht alle Parapsychologen sind geschlagen mit blinder Beweiswut. Doch "Mystery" verharrt in Aufgeregtheit und geht das Thema reichlich affirmativ an. "Ich habe mir den Grundsatz zurechtgelegt: Prinzipiell alles für möglich halten, aber nichts von vornherein glauben", sagt Ronald Weigl von der Universität Klagenfurt. Eine Regel, die man gerne der "Mystery"-Redaktion ins Stammbuch schreiben würde. Und dem Präsentator, "Thema"-Redakteur Christoph Feurstein, wünscht man eine bessere Beleuchtung: Er muss bei blauem Licht durch düsteres Gemäuer tappen, begleitet von einer wild schwankenden Kamera.

Draxler rechnet mit hoher Publikumsakzeptanz

ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler indes verteidigt das Format: Man solle nicht anhand der ersten Folge (diese lag der APA zur Vorab-Begutachtung vor) über die ganze Reihe urteilen. "Da haben Journalisten von 'Spurlos' und 'Tatsachen' daran gearbeitet, die ihr Handwerk ausgezeichnet beherrschen", betont er gegenüber der APA. Draxler rechnet mit hoher Publikumsakzeptanz und würde "Mystery", so es das Budget zulässt, am liebsten ins Regelprogramm übernehmen. (APA)