Leipzig - Über Fernsehkrimis kann sich Stefan Gmyrek beinahe maßlos aufregen. «So ein Unsinn, technisch völlig unmöglich», schimpft der 25-Jährige über Szenen, in denen Detektive unter der Fensterbank hocken und über ein blind in den Raum gehaltenes Mikrofon Gespräche mithören. «Zu geringe Zielgenauigkeit, stattdessen störende Hintergrundgeräusche, unmöglich eben», sagt der Fachmann. Genau das ist Gmyrek nämlich: ein Experte im Schnüffeln und Ausspähen. Er selbst formuliert es allerdings eleganter, empfindet sich eher als «Dienstleister». Im Internet betreibt der Leipziger unter www.spionage.com einen Versandhandel für all die Technik, die Mister Q das Herz hätte höher schlagen und George Orwell selbiges in die Hose rutschen lassen. Zu den Verkaufsschlagern des vor zwei Jahren gegründeten Unternehmens zählt beispielsweise eine Minikamera, kleiner als eine Fingerkuppe und mit einem Objektiv von einem Millimeter Größe die winzigste weltweit. Sie lasse sich überall einbauen, ein besonders beliebtes Versteck seien Verteilerdosen, plaudert Gmyrek aus dem Nähkästchen. Ein Fernsehteam schien kürzlich von der Demonstration so begeistert, dass es das vorgeführte Exemplar kurzerhand kaufte. Lauschgeräte begehrt Doch ob misstrauischer Chef, gehörnte Ehefrau oder streitlustiger Nachbar: Vielen reicht es schon (mit-) zu hören. Sehr gefragt sind elektronisch verstärkte Wandstethoskope, mit denen man jedes Wort versteht, das im Nachbarzimmer gesprochen wird - vorausgesetzt, man wohnt im Plattenbau. Alte Wände haben nämlich den Nachteil, dass der Spion nur das Kratzen und Knirschen des Gemäuers im Ohr hat. Derlei Ratschläge liefert Gmyrek übrigens frei Haus, genau wie die rechtlichen Hinweise. Studenten schwören auf schnurlose Ohrhörer Studenten etwas über das mögliche Nichtbestehen des Examens zu erzählen, wenn sie beim Tragen schnurloser Ohrhörer erwischt werden, hält der Leipziger mittlerweile für müßig. Seien sich die Nachwuchsakademiker sonst normalerweise einig in ihrer Abneigung gegen jegliche Überwachungstechnik, so schwörten sie doch unisono auf die hautfarbenen Stöpsel, die aussehen wie ein medizinisches Hörgerät, schmunzelt Gmyrek. Bei der Überwachung anderer ist die Gesetzeslage allerdings eindeutig, wie der «Dienstleister» betont: Ohne das Einverständnis des Betroffenen bleibt alles Schüffeln verboten. Doch weiß der Experte auch für diesen Fall ein juristisches Hintertürchen. Während akustische Überwachungen, beispielsweise Telefonmitschnitte, generell nicht erlaubt sind, gestattet der Gesetzgeber Kameras bei konkretem Straftatverdacht. Diesen Tatbestand machen sich Gmyrek zufolge besonders Chefs zu Nutze, die einen Mitarbeiter beim Griff in die Kasse oder bei Auftragsschiebereien ertappen wollen. «Die verdeckte Videoüberwachung legalisiert sich in dem Moment, in dem eine Straftat nachgewiesen wird», erklärt der Leipziger. Sollte der Boss seine Angestellten also lediglich bei der heimlichen Zigarettenpause erwischen, nützt ihm das Material überhaupt nichts. Im Gegenteil, dann droht ihm selbst eine saftige Strafe. Und dennoch: Geschäftsinhaber zählen mittlerweile zu den Hauptkunden Gmyreks, der sein Unternehmen einst gründete, um nicht arbeitslos zu sein. In Zeiten enormer wirtschaftlicher Konkurrenz fürchteten Firmenbosse eine etwaige Unterwanderung oft mehr als einen Einbruch, sagt der Fachmann. Neben der nötigen Technik zur Überwachung bietet er deshalb auch Hilfe für den Abwehrfall. Er vermarktet beispielsweise Geräte, die Hochspannungsimpulse durch die Leitung jagen und dabei eventuell versteckte Sender zerstören. Entgegen aller Annahmen hat Gmyrek bei sich zu Hause aber keinen Sender installiert, keine Wanze und auch kein Mikrofon. «Man wird durch diesen Beruf schließlich nicht misstrauischer, sondern entdeckt nur schneller.» Dass er mitunter in eine Ecke gestellt werde mit halbseidenen Gestalten, nerve ihn jedoch. Seine Geräte, allesamt mit dem Zulassungsaufkleber der Post versehen, würden schließlich sogar von der Polizei gekauft und dienten der Kriminalitätsbekämpfung. Was einzelne schwarze Schafe unter den Kunden mit der Technik anstellten, könne er allerdings nicht kontrollieren: «Ein Autohändler weiß schließlich auch nicht, ob er gerade einen Wagen an einen notorischen Raser verkauft hat.» (AP)