Wien - Gut, die Schweiz ist in puncto Nachwuchsförderung fünf Jahre voraus, aber das konnte kein Grund sein, mit gefalteten Händen im Schoß die EURO 2008, die Heim-Europameisterschaft, zu erwarten. Also hat man sich beim Österreichischen Fußballbund (ÖFB) das Challenge-Konzept ausgedacht, präziser Willi Ruttensteiner hat es sich ausgedacht. Der kann so etwas, er ist schließlich Technischer Direktor des ÖFB und nebenbei ein Großmeister der Powerpoint-Präsentation.

Die Sache mit der intensiven Förderung fußballerischer Rohdiamanten über deren Ausbildung in den Vereinen hinaus läuft angeblich wirklich wunderbar. Individuell betreut sollten diese werden, internationale Erfahrung in Future- (19- bis 24-Jährige) und Challenge-Team (16- bis 18-Jährige) sollten sie sammeln. Eine Million Euro beträgt das Budget, getragen von diversen Sponsoren, darunter dem Bundeskanzleramt.

Weil aber auch die besten Konzepte nur unter Akzeptanz aller Beteiligten umgesetzt werden können, gab's unweigerlich gröbere Brösel. So wehrten sich die Klubs etwa gegen die zentrale Erfassung ihrer Spieler zu sportmedizinischen Tests. Man wollte auch nicht einsehen, warum Spieler, die ohnehin im Kader diverser Nationalmannschaften stehen, auch noch mit dem Future-Team üben müssen. Die Spitzen des Projekts unter Vorsitz des Nationalratsabgeordneten Karlheinz Kopf, des Vorarlberger Verbandspräsidenten, reagierten.

Future- und Challenge-Team werden zusammengefasst, gearbeitet wird mit den Edelsteinen ab nun dezentral, also in den Vereinen. Das sollen so genannte Individualtrainer besorgen. Insgesamt 39 Spieler fallen in die Challenge-Förderung, Rapid verfügt etwa über deren neun (zum Beispiel Ivanschitz), die Austria über sechs (Kiesenebner), Wacker Tirol über vier (Feldhofer), der Rest der zwölf erfassten Vereine (aus der Red Zac Liga LASK und Kärnten) hat zwei bis drei besonders Förderungswürdige. Sie alle ersparen sich ab nun den einen oder anderen Lehrgang und werden in den Vereinen von besonderen Beauftragten - etwa Peter Schöttel bei Rapid, Thomas Janeschitz bei der Austria, Ernst Baumeister bei der Admira oder Helmut Kraft bei Pasching - betreut.

Ratschläge und Geld

Da werden jetzt Schwächen fußballerischer oder aber auch psychischer oder physischer Natur erhoben. Diese werden zur Erarbeitung von Gegenmaßnahmen an die Leitung des Challenge-Projektes, also an Ruttensteiner und sein Team, weitergeleitet. Gute Ratschläge kommen dann zurück. Den Vereinen wird die Mehrarbeit der benannten Trainer abgegolten. Mit 10.000 bis 20.000 Euro - je nach Anzahl der zu betreuenden Spieler. "Das ist ein weiterer Meilenstein Richtung 2008", sagte ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, nachdem Ruttensteiner den Overhead-projektor abgestellt hatte. Und es ward beifälliges Gemurmel. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. September 2005, Sigi Lützow)